Zweierlei Privateigentum

Die Angst vor dem Kommunismus ist immer mit dem Argument geschürt worden, dass dieser den Menschen ihr Hab und Gut wegnehmen und in Gemeineigentum überführen will. „Falls Kommunisten etwas derart Undifferenziertes von sich gegeben haben, war es falsch“, sagte Herr Keiner.

„In der Eigentumsfrage muss nämlich zwischen zwei Sorten Eigentum unterschieden werden. Denn was soll gegen die Sorte Eigentum sprechen, die jemand braucht und benutzt: Das Haus, das er bewohnt, das Auto, das er fährt, die goldene Uhr, die er trägt, all diese Sachen sind nichts, was das private Eigentum so anstößig macht.

Die Sorte Eigentum allerdings“, sagte Herr K., „die es gibt, um nicht von ihren Besitzern gebraucht und genutzt zu werden, dieses Eigentum ist keinesfalls von Nutzen für die Menschen, jedenfalls nicht für die Mehrheit von ihnen“, fügte Herr K. einschränkend hinzu.

„Jemand, der das Geld hat, eine Fabrik zu bauen, tut das nicht für sich, weil er einen großen Raum braucht, in dem er seine Arbeit verrichten will. Er will darin andere für sich arbeiten lassen, und sein Eigentum gibt ihm das Recht dazu, die Erträge dieser Arbeit wiederum als sein Privateigentum zu beanspruchen.

Jemand, der das Geld hat, eine Wohnsiedlung zu errichten, tut das für gewöhnlich nicht, weil ihm der Platz in seiner Wohnung zu eng geworden ist. Er will andere, die keine Wohnung haben, darin wohnen lassen, und sein privates Eigentum gibt ihm das Recht, die vorgefundene Not seiner Mitbürger zu barer Münze zu machen.

Diese zweite Sorte Privateigentum“, sagte Herr K., „lebt und nährt sich von der Armut derer, die über diese Art Eigentum nicht verfügen und deshalb darauf angewiesen sind, mit ihrem Interesse an Arbeit und Unterkunft die Interessen der großen Privateigen­tümer zu bedienen.

Diese Sorte Eigentum ist das Lebenselexier einer Klassenge­sellschaft; es wirkt zum Schaden der Klasse, welche die Not dazu zwingt, das Eigentum der anderen Klasse zu vermehren.“

Und Herr K. fügte hinzu: „Vor der Forderung nach Abschaffung dieser Eigentumsform brauchen die kleinen Leute daher keine Angst zu haben. Ihnen gehört davon nichts, sie können ohne diese Art Eigentum nur gewinnen.“

© HerrKeiner.com  14. Februar 2011