#WirBleibenZuhause

Warum und wie die Bevölkerung das Gesundheitssystem vor  „Überforderung“ zu schützen hat

Anmerkungen zur „Corona-Krise“

  1. Es ist in den herrschenden Verhältnissen nichts Ungewöhnliches, dass die politisch Verantwortlichen eine Studie in Auftrag geben, in der sie vor den Folgen einer neuen SARS-Pandemie gewarnt werden, ohne dass daraus irgendwelche praktischen Konsequenzen gezogen werden. So ist die in der RKI-Studie von 2013 empfohlene Vorratshaltung von „medizinisch elementaren Mitteln wie Schutzkleidung, Atemschutzmasken wie Beatmungsgeräten“ unterblieben, weil nach kapitalistischer Rechenart, die auch das Gesundheitswesen regiert, eine solche Vorratshaltung großen Ausmaßes nichts anderes als „totes Kapital“ darstellt, das weder staatliche Stellen noch die Träger von Krankenhäusern und Pflegeheimen, noch dazu für einen nicht zu bestimmenden Zeitraum, aufbringen wollten.
  2. Von Atemschutzmasken für die Bevölkerung war ohnehin nie die Rede, und das wieder aus einem einfachen marktwirtschaftlichen Grund: Im Unterschied zu Schutzmitteln für die medizinische Versorgung, die kontinuierlich nachgefragt werden, gibt es in den herrschenden Verhältnissen gar kein geschäftliches Interesse, das sich von der Produktion solcher Volks-Masken etwas versprechen könnte. Denn die Nachfrage gibt’s erst im Krisenfall, und der ist bekanntlich nicht vorhersehbar, also findet keine Investition in die Produktion solcher Masken statt. Diese sind deshalb, werden sie massenhaft gebraucht, auf dem Markt nicht zu haben. Und in China, das solche Masken aufgrund anderer gesundheitspolitischen Abwägungen in großen Stückzahlen produziert, erst mal auch nicht, weil das Land aufgrund der eigenen Betroffenheit von der „Corona-Krise“ besagte Volks-Masken dringend selbst benötigt.
  3. Es ist ebenfalls nichts Ungewöhnliches, dass die politisch Verantwortlichen nach Ausbruch der Epidemie in China ein paar Wochen brauchten, bevor sie sich entschieden, auch hierzulande den gesundheitlichen „Katastrophenfall“ auszurufen. Das hat zwar dem Virus erst mal ziemlich freien Lauf gelassen, aber so etwas ist der Volksgesundheit auf jeden Fall zuzumuten. Es sei denn, die Politik beschließt, der Eindämmung dieser „Pandemie“ entschieden Vorrang einzuräumen, weil angesichts rasch steigender Infektionsraten der zu erwartende Schaden durch politisches Nicht-Eingreifen als höher eingeschätzt wird als der Schaden, der durch staatliche Eindämmungsmaßnahmen für das heimische Geschäftsleben entsteht.
  4. Wenn allerdings der Bundesgesundheitsminister noch Ende Januar davon spricht, dass die von dem neuen SARS-Virus ausgehende Gefahr für die deutsche Volksgesundheit „gering“ sei, und der Chef des Robert-Koch-Institutes davon ausgeht, dass besagter Virus dieses Land wohl „kaum erreichen“ würde, so hatte das mit einer sachlichen Lagebeurteilung nichts zu tun. Zumal das RKI in seiner „Risikoanalyse“ vor sieben Jahren selbst davon ausgegangen war, dass sich der neue Erreger von Asien aus massiv über den ganzen Globus verbreitet. Solche Aussagen kennzeichnen vielmehr den anfänglich betätigten politischen Willen, den neuen Virus wie eine „Grippe-Welle“ zu behandeln, was der Volksgesundheit ohne größere Staatseingriffe auf jeden Fall zuzumuten sei.
  5. Bekanntlich hat sich danach die politische Entscheidungslage geändert, folglich bekommen es die Entscheidungsträger bei ihrem „Kampf gegen den Corona-Virus“ mit der selbst geschaffenen Lage zu tun, über ein Gesundheitssystem zu verfügen, das auf die Testung und fachgerechte Behandlung von massenhaft Infizierten gar nicht vorbereitet ist. Also kommt neben der Sorge um eine unkontrollierte Ausbreitung des Virus noch eine zweite wesentlich hinzu: Es muss bei allen beschlossenen Maßnahmen darauf geachtet werden, das heimische Gesundheitssystem „nicht zu überfordern“. Das ist interessant: Kaum werden die Leistungen des staatlichen Gesundheitssystem wegen der grassierenden SARS-Pandemie dringend gebraucht, muss dieses System vor zu vielen Ansprüchen des Bürger „geschützt“ werden.
  6. „Bleibt zu Hause“, lautet deshalb die gesundheitspolitische Devise, kommt wg. „Ansteckungsgefahr“ (!) nicht in die ärztlichen Praxen und Krankenhäuser, sondern regelt eure gesundheitlichen Sorgen über eine Hot-Line, die „wir für Euch“ eingerichtet haben. So bekommen die möglicherweise Infizierten (außer den diagnostizierten „Härtefällen“) keinerlei medizinische Hilfsmittel an die Hand, wenn sie aufgefordert werden, in den Fällen ihres erlaubten Ausgangs, den „nötigen Abstand“ zu halten und jedwede „Rudelbildung“ – Familien ausgenommen – zu vermeiden. Masken und Infektionsmittel sind für die Bevölkerung nicht zu haben. Die Atemschutzmasken werden von Politikern und ihren medizinischen Beratern ohnehin für „ nutzlos“ erklärt. Doch das, was wie eine sachliche Auskunft daher kommt, ist keine, sondern: Die Masken werden dringend für das Personal in Kliniken und Pflegeheimen gebraucht.
  7. So gibt es eine eigentümliches Gemengelage in dem verfügten Kampf gegen den „Corona-Virus“: Die Bevölkerung ist von den Maßnahmen schwer betroffen gemacht, vor allem in ihrem „Freizeitverhalten“, weil so gut wie alles dicht gemacht wird, wo sich der Mensch mit anderen trifft, shoppt und sonstigen Vergnügungen nachgeht. Zur Arbeit allerdings sollen die Leute weiter gehen, sofern diese noch stattfindet und es wegen Vermeidung noch größerer wirtschaftlicher Schäden nicht weiter stört, wenn dort „Schulter an Schulter“ produziert wird, also das Abstandsgebot gar nicht einzuhalten ist. Das gilt auch für die Menschen, die den Beruf des Kassierers in Supermärkten ausüben, denen auch jede Menge von diesen Coronas zuzumuten sind. Wobei der Hinweis auf die „lebenswichtige Versorgung“ auch wieder so ein Schwindel ist: Ginge es um den Zweck der Versorgung, bräuchte es keine Kassen, also auch kein Infektionsrisiko.
  8. Wenn dann zu Beginn des Monats April in der Öffentlichkeit das politisches „Versagen vor der Corona-Krise“ (Bild v. 4.4.), also die „mangelnde Vorsorge“ in Sachen medizinischer Schutzmittel zum Thema wird, so kann dieser reichlich verspätete Hinweis auf die mangelhafte Versorgungslage nur auf den ersten Blick verwundern. Denn es geht in der Presse gar nicht so sehr um eine Abrechnung mit den Fehlern der Vergangenheit, sondern um die Suche nach einem geeigneten Ausstiegsszenario aus dem verordneten Corona-Shutdown. Jetzt werden vor allem die Atemschutzmasken ganz neu entdeckt: „Stünden mehr Masken zur Verfügung, könnte womöglich die Kontaktsperre früher gelockert werden.“ (Spiegel v. 4.4.) Und in diese Richtung denken auch die Politiker: Söder kann sich eine baldige „Maskenpflicht“ vorstellen, und der Herr Altmaier will alle deutschen Fabrikarbeiter mit Masken versorgt wissen.
  9. So kündigt sich an, dass gerade auch die politisch Verantwortlichen so bald wie möglich wieder „raus aus der Nummer“ wollen, weil die betätigte Sorge um die Volksgesundheit schließlich kein Selbstzweck ist, sondern das Volk soll in seiner Brauchbarkeit für die eingerichteten Verhältnisse erhalten werden, um seine „systemrelevanten“ Funktionen als Arbeitskraft und Kaufkraft wieder wie gewohnt ausüben zu können.
  10. Es war ohnehin eine der großen Lügen dieser Krisenzeit, dass die Sorge um die Volksgesundheit etwas Unbedingtes sei, was über allen anderen Staatsaufgaben steht, weshalb ein Ausstieg aus der „Krise“ nur dann in Angriff genommen werden könne, wenn er als „medizinisch unbedenklich“ ausgewiesen werden kann. Quatsch, die Herren der Volksgesundheit sind nicht Virologen, sondern Politiker, die einen kapitalistischen Wirtschaftsstandort zu managen haben, der auch „aus volksgesundheitlichen Gründen“ – so ist zu erfahren – wieder hochgefahren werden muss, denn auch das Geld für den Erhalt des Gesundheitssystems will immer wieder neu erarbeitet sein. Dass der angepeilte „Exit“ sicher nicht risikofrei zu haben ist, mag schon sein. Doch um die Menschen vor Gesundheitsrisiken zu bewahren, dafür ist die kapitalistische Wirtschaftweise nun wirklich nicht erfunden worden.

Lesetipp:

Anmerkungen zur „Diesel-Affäre“: Von wegen „Versagen der Politik“! In Wirklichkeit der Schadensfall einer europäischen Wirtschafts-Offensive

Briefwechsel:

Nachfrage zum staatlichen Standpunkt der „Volksgesundheit“

© HerrKeiner.com  13. April 2020