Westliche Politiker lassen ihre Völker wissen: „Terror gehört zu den Lebensrisiken des 21. Jahrhunderts“

Das verkündete der Präsident des EU-Parlaments, der SPD-ler Martin Schulz, im TV-Talk bei „Günther Jauch“ und fügte hinzu: „Diese Typen werden uns nicht in die Knie zwingen.“

„Das ist doch mal eine klare Ansage“, sagte Herr Keiner, „denn damit ist zuerst einmal klargestellt, dass ‚diese Typen‘ aus dem Lager der Freiheit und Demokratie in Zukunft noch einiges an kriegerischen Aktionen in fremden Ländern vorhaben. Dass also die von ihnen regierten Völker damit rechnen müssen, dass gewaltsame Gegen-Reaktionen in Gestalt von Terror-Anschlägen – wie zuletzt in Paris – nicht ausbleiben können. Und: Den Worten von Schulz ist ebenfalls zu entnehmen, dass der leiseste Gedanke daran, der eigenen Bevölkerung dieses ‚Lebensrisiko‘ zu ersparen – gar nicht erst in Frage kommt. Denn das wäre gleichbedeutend mit der Absage an eine Politik, die – wie aktuell im Nahen Osten zu besichtigen – unter dem schönen Titel „weltweiter Verantwortung“ dafür sorgen will, dass die politische Neuordnung der Region nach Maßgabe der Interessen der mächtigen Staaten des Westens vorankommt.

Und bei dieser mit dem Irak-Krieg begonnenen Neuregelung der Machtverhältnisse im Nahen Osten“, fuhr Herr Keiner fort, „sind die westlichen ‚Ordnungsmächte‘ wahrlich nicht in der Defensive, wie sie das angesichts ‚verheerender Terroranschläge‘ ihren Völkern immerzu weismachen, um diese als patriotische Heimatfront geschlossenen hinter sich zu versammeln. Dass der islamische Staat „uns in die Knie zwingen will“ (so Schulz), das ist barer Unsinn angesichts der militärischen Kräfteverhältnisse, die sich da betätigen und gerade wegen der Unterlegenheit der einen Seite im Kampf vor Ort zu den Anschlägen in den Städten der Feinde führen.

Hält der amerikanische Präsident eine Rede mal nicht ans Volk, sondern zu Seinesgleichen (den versammelten Regierungschefs auf dem Ostasiengipfel in Kuala Lumpur), so sind da über den Anführer des ‚hinterhältigen Terrorkrieges‘ in Paris ganz andere Worte zu vernehmen:

„Er fand ein paar andere bösartige Menschen, bekam ein paar ziemlich konventionelle Waffen in die Hände, und es zeigt sich, dass man viele Menschen umbringen kann, wenn man nur bereit zu sterben.“

‚Viele Menschen‘ in einem Krieg töten? Das können die Amis wirklich besser: Sie schießen nicht mit ‚konventionellen‘ Kalaschnikows, sondern bomben aus Flugzeugen und mit ferngesteuerten Drohnen, töten also nicht nur wesentlich effektiver, sondern vor allem auch: sie sprengen nur die Richtigen und nicht noch sich selbst dabei in die Luft.

So ist den verächtlichen Worten des amerikanischen Präsidenten auch zu entnehmen, dass die westlichen Staaten mit ihrem Anti-Terror-Krieg gegen den IS in Wirklichkeit keine ‚Menschheitsgefahr‘ bekämpfen. Dieses fundamentalistische Feindbild, das dem des IS in nichts nachsteht, wird wegen der moralischen Rechtfertigung des „Anti-Terror-Krieges immerzu abgerufen, doch es wird nicht gegen einen Feind bekämpft, weil der so ‚barbarisch‘ und ‚menschenverachtend‘ zu Werke geht. Wie auch. So etwas geht immer in Ordnung, wenn es den eigenen Interessen nutzt.

Doch im Fall des Islamistischen Staates liegt für die westliche Aufsichtsmächte ein anderer Befund vor: Der IS kommt nicht als moralischer Unhold, sondern schlicht als politischer Störfall ins Visier, der die instabilen Machtverhältnisse in der Region für sich ausnutzt und damit den westlichen Ordnungsinteressen im Wege steht. Das verfolgte Kriegsziel sieht dementsprechend aus: Mit der Rekrutierung von Kämpfern vor Ort und machtvollen Schlägen aus der Luft soll die Ausbreitung dieses Staates eingedämmt und seine Macht auf eine zu vernachlässigende lokale Größe zurechtgestutzt werden.

Kein Wunder also“, fuhr Herr K. fort, „dass diese aktuell praktizierte Kriegsstrategie Kritiker auf dem Plan ruft, die den Anti-Terror-Krieg gegen den IS an seinem moralischen Kampfauftrag – „Kampf der Zivilisation gegen die Barbarei“ – messen und deshalb vor den Folgen dieser Kriegsführung warnen:

„Wer den IS eliminieren möchte, muss wohl oder übel dort einmarschieren. Die Luftschläge verstärken den Willen der Dschihadisten doch nur, den Feind anzugreifen und ihn am besten auch zu töten.“ (DER SPIEGEL 48/2015)

Sicher, das wissen auch die kriegführenden Mächte des Westens, doch mit Bodentruppen einmarschieren wie in den beiden Irak-Kriegen, das ist nach eigenem Bekunden derzeit nicht in ihrem strategischen Programm. Denn nicht zuletzt am Aufkommen des IS werden sie gewahr, dass die Kriege gegen den Irak nicht die gewünschte Befriedung der Region gebracht haben. Und da sind bekanntermaßen auch noch andere, konkurrierende ‚Kräfte‘ in dieser Weltregion am Werk, die das eingerissene ‚Machtvakuum‘ im Irak wie auch in Syrien für sich auszunutzen suchen. Nach dem Willen der Führungsmacht USA sollen diese störenden Machtinteressen eingebunden werden in den Kampf gegen den IS, um auf eben diesem Wegedie gewünschte Herrschaftsordnung in der Region voranzubringen. Und gerade weil die Verantwortlichen wissen, dass sie mit diesem Vorhaben immerzu neuen Nährboden für den ‚islamischen Terror‘ schaffen, halten sie es für angesagt, ihre Völker daheim mit ihren neuen ‚Lebensrisiken‘ vertraut zu machen.

Gewissermaßen als die unumgänglichen Kosten der Freiheit“, sagte Herr Keiner, „die sich die Führer der Staaten des Westens im Umgang mit anderen Staaten herausnehmen“.

© HerrKeiner.com  24. November 2015