Warum wählen gehen?

Diese Frage hat Herr Keiner bei Google eingegeben, um heraus­zufinden, welche Gründe dem Bürger einleuchten sollen, bei der kommenden Bundestagswahl auch als Wahlbürger seine Pflicht zu tun und zur richtigen Zeit am richtigen Ort sein Kreuzchen zu platzieren. So heißt es in einem Aufruf von Marco H., einem Mitglied der SPD: ‚Einfacher geht es fast nicht. In Deutschland bekommen Sie ab dem achtzehnten Lebensjahr ihre Wahlunterlagen zugeschickt. Sie haben keinen Registrierungsaufwand – nur das Kreuz müssen sie selber machen.‘

„Nanu“, sagte Herr K, „das ist ja eine interessante Auskunft über die Leistung der periodisch abgehaltenen Wahlen. Sich Gedanken machen über Aufgaben und Ziele der zu wählenden Herrschaft, Kenntnisse über das politische Wirken etwa in Sachen Wirtschaft und Bankwesen, Reichtum und Armut, Verteidigung, militärische Auslandseinsätze und anderes mehr – davon muss der Mensch, der zum Wählen aufgefordert wird, offenbar gar nichts verstehen. Denken muss er nicht, mit anderen diskutieren und gemeinsam beratschlagen – all das muss er nicht, er muss nur – einsam und geheim – ein deutlich sichtbares Kreuzchen hinterlassen.

Und es ist ja in der Tat so“, sagte Herr Keiner: „Der demokratisch gewählten Herrschaft ist es egal, wie die Kreuzchen auf dem Wahlzettel zustande kommen. Ob als Geschmacksurteil über das Aussehen eines Kandidaten (‚den finde ich sympathisch‘), als Ausdruck althergebrachter Gewohnheiten (‚die Partei habe ich immer gewählt‘) oder als der aus Enttäuschung resultierende Beschluss, es mal mit dem ‚Wechsel‘ zu probieren – die zur Wahl angetretenen Parteien nehmen die Stimmen, wie sie kommen. Hauptsache, das Kreuzchen ist für sie an der richtigen Stelle.

Damit ist auch klar“, fuhr Herr K. fort, „was damit gemeint ist, wenn als wichtiger Grund für das Wählen in dem Internet-Text angeführt wird: ‚Unsere Parteien richten sich nach dem Willen der Wähler.‘ Das kann für die, welche die Wahl gewonnen haben, nur heißen: Wir haben die meisten Stimmen bekommen, also hat ‚der Wähler‘ uns beauftragt, die ‚Regierungsverantwortung‘ zu übernehmen. Schönen Dank auch!

Ein anderes Richten nach dem Wählerwillen ist nicht vorgesehen“, sagte Herr Keiner. „Und das heißt: Was immer sich der Wähler womöglich von der Abgabe seiner Stimme in Sachen seines eigenen Fortkommens in diesen Verhältnissen versprochen hat, das braucht die gewählte Regierungsmannschaft nichts anzugehen. In ihrem Handeln ist sie allein ‚ihrem Gewissen‘ verpflichtet, sie hat den Auftrag ‚souverän’ zu regieren und damit unbeeinflusst vom Willen ihrer Bürger ihren Amtsgeschäften nachzugehen. Bis zu dem Tag, an dem die Bürger erneut gefragt sind, wenn es wieder heißt: Es kommt auf jede Stimme an!

Im Übrigen“, sagte Herr Keiner abschließend, „habe ich einer Stellungnahme des Bundeswahlleiters entnommen, dass die Wahlzettel im Müll landen, die eine nicht vorgesehene Willensbekundung der Wähler enthalten. Denn alle Wahlzettel, auf denen neben den zu machenden Kreuzchen noch Wünsche, Beschwerden oder andere Äußerungen des Wählers aufzufinden sind, sind von Amtswegen für ‚ungültig‘ erklärt.
Was heißt: Gültig ist nur, was sich die Herrschaft vom Wählen verspricht – einen Blankoscheck für ein machtvolles Regieren!“

© HerrKeiner.com  20. September 2013