Steueroase Deutschland

Was haben deutsche Politiker nicht alles getan, um die Nachbarstaaten Schweiz und Luxemburg als „willige Helfershelfer von kriminellen Steuerflüchtlingen“ an den Pranger zu stellen. Es wurde nicht nur massiv Druck auf diese Staaten ausgeübt, ihr Bankwesen für die deutsche Steuerfahndung „transparent“ zu machen; im Fall der Schweiz wurden Bankangestellte noch dazu zum gesetzeswidrigen Datendiebstahl angestiftet, der von den deutschen Behörden mit hohen Geldzahlungen belohnt wurde. Doch jetzt war unter der Überschrift „Steueroase Deutschland“ Folgendes in der „Süddeutschen Zeitung“ zu lesen: „Ein internationales Netzwerk hat die wichtigsten Finanzzentren der Schattenwirtschaft untersucht. Dabei steht ein Staat weit oben auf der schwarzen Liste, der sonst gern den Saubermann gibt: die Bundesrepublik.“ (SZ v. 7.11.13)

So ist zu erfahren, dass sich Deutschland nicht nur zu einem attraktiven Standort für „großangelegte Geldwäsche“ entwickelt hat, mit der gesetzlichen Einrichtung von „zahlreichen Geheimhaltungs­möglichkeiten“ wird auch ansonsten einiges getan, ausländische Geldbesitzer ins Land zu locken. „So gebe es zum Beispiel weder ein Register, das die wahren Eigentümer von Briefkastenfirmen offenlegt, noch eine Pflicht für alle Unternehmen, ihre Geschäftsabschlüsse und die Identität der gewinnberechtigten Besitzer zu veröffentlichen.“ (SZ)

So kommt heraus, dass es nichts als Lug und Trug ist, wenn ein Staat wie Deutschland seine Nachbarstaaten beschuldigt, sich mit ihren freizügigen Angeboten an Geldanleger aller Art einen „unlauteren Wettbewerbsvorteil“ verschaffen zu wollen. „Es gibt keine Guten und Bösen in diesem Wettbewerb“, sagte Herr Keiner, „sondern jeder Staat versucht auf seine Weise, das große Geld zur Anlage auf sein Territorium zu animieren. Beziehungsweise den Unternehmen, die schon im Lande ansässig sind – wie beispielsweise den großen Automobil-Konzernen in Deutschland – mit „aggressiven Steuersparmodellen“ das Gewinne-Machen so angenehm wie möglich zu gestalten.

Bleibt am Ende nur noch zu erwähnen“, sagte Herr Keiner, „dass diejenigen, die in diesem Wirtschaftssystem als ‚arbeitende Bevölkerung‘ ihren Dienst tun, von den Wohltaten einer „Steueroase“ nichts zu spüren bekommen. Im Gegenteil. Der Staat rechnet damit, dass die vom Lohn Abhängigen so wenig verdienen, dass es oft nicht mal zum Auskommen reicht, weshalb er zu seiner Sicherheit die Steuer gleich an der Quelle einbehält. Wie, wo und wie viel Steuern zu zahlen sind, das sind Fragen, die sich nur dem vermögenden Teil der Bevölkerung – und deren ‚Steuerberatern‘ stellen. Und wie der zitierte Untersuchungsbericht zeigt, hat das große Geld in Deutschland allen Grund zur Freude. Die ‚Steueroase‘ liegt direkt vor der Tür, den Ausflug in die Schweiz oder nach Luxemburg können sich die Reichen getrost ersparen.“

© HerrKeiner.com  30. November 2013