Renten-Anpassung

Beim Verfolgen einer Fernsehdiskussion hörte Herr K. von den „ungeheuren Summen“, die seit Gründung der Republik, in der er wohnte, aus der staatlichen Rentenkasse entnommen worden waren. Der Täter war der Staat selbst, folglich war dieser Dieb­stahl legal. Mit diesen Summen – so war zu erfahren –, die in die Tausende von Milliarden gingen, waren allerlei „versicherungs­fremde Leistungen“ finanziert worden, nach denen diejenigen, die in die Rentenversicherung einzahlen mussten, nicht verlangt hatten.

Herr K. machte sich Sorgen um seine Zukunft, also ging er zur Renten-Beratung, um in Erfahrung zu bringen, was er ab dem Tag X, der in nicht allzuweiter Ferne lag, an Altersversorgung von den staatlichen Geldräubern zu erwarten hatte.

Als ihm der Berater den zu erwartenden Betrag nannte, wunderte er sich. Er hatte zwar mit wenig gerechnet, doch es war um einiges weniger, als er erwartet hatte.

Der Rentenberater sagte: „Da dürfen Sie sich nicht wundern, Herr K. Sie haben einige Lücken in ihrer Erwerbsbiographie, da Sie bei ihren Lehrtätigkeiten an verschiedenen Hochschulen nur auf Honorarbasis gearbeitet haben. Da sind keine Zahlungen an die Rentenkasse geleistet worden.“

Darauf antwortete Herr K.: „Als ich mich vor vielen Jahren schon einmal beraten ließ, bekam ich aber eine viel bessere Prognose.“ „Das ist leicht zu erklären“, erwiderte der Renten-Berater, „in der Zwischenzeit ist viel passiert. So dürfen Sie nicht vergessen, dass sehr viel Geld aus der Rentenkasse genommen wurde, um die Wiedervereinigung des Landes zu finanzieren. Ich schätze, dass ihre Rente ohne diese Ausgaben doppelt so hoch wäre wie die, die sie jetzt zu erwarten haben.“

„Wie kann ich etwas vergessen, das mir niemand gesagt hat“, ant­wortete Herr K. „Doch sieh mal an, was die sich alles heraus­nehmen. Sie nehmen von meinem Geld, um damit in dem neu­erworbenen Land blühene Landschaften für Investoren zu schaffen. So etwas stand nicht auf meiner Rechnung.“

„Auf meiner auch nicht“, sagte der Rentenberater, der sich offensichtlich auch darüber ärgerte, von dieser Art Renten-An­passung betroffen zu sein.

Daraufhin sagte Herr K. : „Statt ‚die Rente ist sicher’ hätte der damalige Renten-Minister besser plakatieren sollen: Eure Rente ist uns sicher!“

Der Rentenberater, der lachen musste, sagte; „Ehrliche Sprüche werden von denen nicht plakatiert.“

Herr K. bedankte sich für das Gespräch und ging – um eine Erfahrung reicher – wieder nach Hause.

© HerrKeiner.com  14. Februar 2011