Marktwirtschaftliche Klarstellungen

Als Herr Keiner die Berichte über die Missstände in der griechischen Wirtschaft las, war er immer wieder erstaunt, mit welcher Offenheit und Selbstverständlichkeit in den Medien – allen voran in der Boulevard-Presse – für eine asoziale Sicht der Lage Partei ergriffen wurde. Denn in der Hauptsache bezogen sich diese Berichte auf die Lebenslage der kleinen Leute, und zumeist lief es auf immer den gleichen Befund hinaus: Das konnte ja mit der Wirtschaft nicht gut gehen, wenn es der Bevölkerung so gut geht.

Und nach dieser Lage-Diagnose, welche die Medien distanz- und kritiklos den Reden der Politiker entnahmen, war die Therapie schon vorgegeben: Nur wenn massive Sparmaßnahmen im Bereich des Sozialen durchgesetzt werden, kann die Rückkehr von der Miss­wirtschaft zu einer guten Wirtschaft gelingen.

Herr K. dachte: „Kommen solche Berichte nicht dem Eingeständnis gleich, dass das behauptete Gütesiegel der Marktwirtschaft, den ‚Wohlstand für alle‘ im Programm zu haben, eine einzige Fälschung war, offensichtlich dazu ersonnen, den Unteren das Mitmachen in diesen Verhältnissen schmackhaft zu machen? Jetzt wird in allen Reden der politisch Verantwortlichen deutlich: Eine gute Wirtschaft ist mit den Bedürfnissen der Bevölkerung nach einem guten Lohn, einer ausreichenden Arbeitslosenunterstützung, nach optimaler gesundheitlicher Versorgung oder einer existenzsichernden Renten­zahlung nicht zu vereinbaren. Vielmehr gilt die Devise: Ein Land kann seinem Auftrag als wettbewerbsfähiger Kapitalstandort nur dann gerecht werden, wenn die Kosten für den Unterhalt der Masse des Volkes radikal gesenkt werden.

Und Herr K. dachte weiter: „Genau genommen fällen die politisch Verantwortlichen so ein vernichtendes Urteil über die herrschende Wirtschaftsweise, doch sie wollen ihr Reden gar nicht so verstanden wissen. Sie werben bei den Unteren für die Einsicht in angeblich ‚unumgängliche Notwendigkeiten‘ von denen sie behaupten, dass sie ‚alternativlos‘ seien. Doch an solchen Reden ist nur eines wahr“, sagte Herr K.: „Die schlechte Behandlung der Unteren ist in diesem System tatsächlich alternativlos. Doch die Behauptung, dass es zu diesem System keine Alternative gäbe, das ist eine Lüge.“

© HerrKeiner.com  23. Dezember 2011