Keine Versprechungen

Herr K. fand es bemerkenswert, dass sich diejenigen, die gewählt werden wollen, wechselseitig vorwarfen, vor der Wahl Ver­sprechungen zu machen, die sie ohnehin nach der Wahl nicht einhalten könnten.

„Was stört eigentlich mehr“, fragte Herr K., „dass Ver­sprechungen gemacht werden, oder dass sie nachher nicht ein­gehalten werden können“? Kerr K. hatte das Gefühl, dass es die Versprechungen waren, die störten. Denn ein solches Werben um die Stimmen der Unteren wurde als „Populismus“ an den Pranger gestellt. Was in der Umkehrung bedeutet, dass nur der des Volkes Stimme verdient, der diesem keine Versprechungen macht.

„Das ist aber merkwürdig“, dachte Herr K. „Das macht das Wählen für die Unteren nicht gerade einfach.“ Er fragte: „Mit welchen Erwartungen sollen denn die Bürger zur Wahl gehen, wenn ihnen gesagt wird, dass sie nichts zu erwarten haben? Sollen sie für eine bessere Zukunft ihres Landes eintreten, ohne dabei an ihre eigene Zukunft zu denken?

Das ist aber viel verlangt von Menschen, die noch ganz andere Sorgen haben, die vielleicht nicht einmal wissen, ob ihr Geld bis zum Wahl-Termin reicht“, dachte Herr K.

© HerrKeiner.com  6. November 2011