Herr Keiner und die Umwelt

Darauf angesprochen, wie er es denn mit der Verantwortung für die Umwelt halte, stellte Herr K. eine Gegenfrage: „Sind Sie für die Veränderung der herrschenden Eigentumsverhältnisse?“ Der so Angesprochene verstand die Frage nicht und wollte wissen, was denn das eine mit dem anderen zu tun habe. Herr K. antwor­tete: „Sehr viel, denn ich kann nichts für die Umwelt tun, weil mir, wohin ich auch schaue, von meiner Umwelt nichts gehört.

Überall sehe ich Schilder, auf denen steht, dass hier ein Privat­besitz beginnt, also meine Befugnisse enden. Wenn von diesen verschiedenartigen Besitzungen eine Gefährdung der natürlichen Lebensgrundlagen ausgeht, dann liegt dies in der Verantwortung des großen Eigentums und der staatlichen Gesetze, die dessen Gebrauch regeln.

Soll ich etwa ideell Verantwortung übernehmen, eine Verant­wortung, die ich reell gar nicht ausüben kann?“, fragte Herr K.

Der Fragesteller, der nicht locker ließ, sagte: „Aber Herr K., tragen Sie als Verbraucher nicht Mitverantwortung für die Schäden, die bei der Produktion der Waren entstehen, welche sie kaufen?“

„Nein“, antwortete Herr K. „Ich habe einmal versucht, als Ver­braucher Verantwortung zu tragen und bei der großen Firma Y angerufen und gesagt, dass ich das nicht in Auftrag gegeben habe, dass sie ihren Nahrungsmitteln Giftstoffe beimischen. Aber die Zuständigen der Firma haben mich aus der Verantwortung ent­lassen und mir bedeutet, dass das ganz allein ihre Entscheidung sei.

Sie sehen also“, sagte Herr K., wieder zu dem Fragesteller im Publikum gewandt, „ich habe gar nicht die Macht, Verantwortung für die Umwelt zu tragen“.

© HerrKeiner.com  2. Juli 2011