Die Frauen von Köln und die Regensburger Domspatzen

Bei einem Gang durch die Stadt traf Herr K. auf Frau M., der anzusehen war, dass sie ziemlich erregt war und mit K. reden wollte. Bei einem Kaffee legte sie los: „Ich fasse es einfach nicht. Da höre ich den Söder von der bayrischen CSU in einer Talk-Show reden, dass die Frauen ‚seit Köln Angst haben müssen, sich im Land frei zu bewegen‘, und dann lese ich einen Bericht über massenhafte sexuelle Übergriffe und Vergewaltigungen im schönen Bayernland, gegen die die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht nachgerade ein Klacks waren.“ Sie holte die ‚Süddeutsche Zeitung‘ aus der Tasche und las vor:

„Bei den Domspatzen ging es nicht schlimm zu, sondern noch viel schlimmer. Bis in die 1990er Jahre wurden demnach 231 Buben von Priestern und Lehrern seelisch und körperlich misshandelt, 50 wurden sexuell missbraucht. Die Dunkelziffer? ‚Ich sehe keinen Grund, an einer Gesamtopferzahl von 600 bis 700 zu zweifeln‘, sagt Weber, der unabhängige Gutachter.“ (SZ v. 18.1.16)

„Im Fall der Kölner Ereignisse waren alle Politiker gleich in den Startlöchern“, fuhr Frau M. fort, „nicht nur, um mit Worten das Geschehene aufs Schärfste zu verurteilen, sondern gleich darauf auch das Asylrecht zu verschärfen und bald darauf einen Bann gegen die Länder zu verhängen, aus denen einige der Täter kamen. Was heißt: Drei nordafrikanische Staaten wurden umgehend zu ‚sicheren Herkunftsländern‘ erklärt, damit kein Flüchtling aus diesen Ländern je wieder eine Chance hat, in Deutschland das Recht auf Asyl in Anspruch zu nehmen. Da wird aus zweifelsohne üblen Übergriffen auf Frauen eine einzige Hatz auf die Elendsfigur ‚Flüchtling‘ gemacht, und die Pfaffen in Bayern bleiben ganz und gar unbehelligt. Einschließlich des Domkapellmeisters namens Ratzinger, dem Betroffene bescheinigen, sich über viele Jahre als ‚Sadist und Gewalttäter‘ hervorgetan zu haben. Diese Typen sitzen das einfach aus, bis das betriebene Quälen und Vergewaltigen von Kindern verjährt ist.“

„Genau so geht es zu“, erwiderte Herr K., „und ihrem Bericht – jedenfalls, was die Seite der Flüchtlinge betrifft – lässt sich ja auch entnehmen, warum die Kölner Ereignisse im Unterschied zu denen in Regensburg für solche Furore gesorgt haben: Diese Übergriffe ließen sich politisch ausnutzen und zu einem Einwand gegen Merkels Flüchtlingspolitik machen. Weshalb auch die Kanzlerin keine Gelegenheit ausließ, sich vehement der aufgebrachten Forderung nach ‚härteren Strafen‘ anzuschließen.“

„Das stimmt“, sagte darauf Frau M., „doch was ist mit den kirchlichen Sexualtätern in Bayern? Auf diese Glaubensbrüder trifft doch genau das zu, was ansonsten immer gegen radikale Islam-Gemeinden vorgebracht wird. Da heißt es: Hier haben sich in unserem Land ‚gefährliche Parallelgesellschaften‘ gebildet, die wir keinesfalls dulden können.“

„Sicher“, sagte Herr K., „doch im Fall der Katholischen Kirche hat man es mit einer‚Parallelgesellschaft‘ zu tun, bei der der Nutzen für den deutschen Staat ungleich größer ist als der Schaden, den sie anrichtet. Diese Glaubensbrüder bringen der deutschen Jugend im ganzen Land Sitte und Anstand bei, fördern mit dem demütigen Glauben an ein Höheres Wesen eine untertänige Gesinnung, was nicht zuletzt der Landesherrschaft der bayrischen CSU ihren unangefochtenen Bestand sichert. Da bedeutet es im Umgang mit den ‚Vorfällen in Regensburg‘ politisch behutsam zu sein, um die Kirche als nützliche moralische Autorität nicht unnötig zu beschädigen.

Und wie hieß es damals noch so schön: ‚Wir sind Papst!‘ Und nicht: ‚Wir sind Flüchtling!‘ “

© HerrKeiner.com  1. Februar 2016