Der Streik bei Neupack ist längst entschieden: Neupack hat sich durchgesetzt – Die IGBCE war kein Gegner!

„Wir werden ein Exempel statuieren, koste es, was es wolle.“ (M. Vassiliadis, Vorsitzender IGBCE)

In diesem Arbeitskampf hat nur einer ein Exempel statuiert, das war die Firma Neupack. Sie hat von Anfang ihr Interesse konsequent vertreten, in ihrem Hause keinen gewerkschaftlichen Tarifvertrag zu dulden und sich am Ende mit diesem kompromisslosen unternehmerischen Standpunkt durchgesetzt. Bei den aktuell laufenden Verhandlungen mit dem Betriebsrat über eine „Regelungsabsprache“ ist die Gewerkschaft außen vor, was heißt: Neupack kann auch weiterhin das Verhältnis von Lohn und Leistung so „gestalten“, wie es das Unternehmen in seinem Interesse an einem möglichst hohen Profit für nötig hält. Das hatte die Geschäftsleitung von Anfang an klargestellt „Wir meinen, dass ein Tarifvertrag mit seinem starren Entlohnungssystem den Interessen von Neupack nicht hinreichend Rechnung trägt.“ (Stellungnahme der Firma Neupack)

Mit diesem Vorgehen gegen ein „starres“, sprich: zu kostspieliges Lohnsystem liegt die Firma Neupack – anders als die Gewerkschaft behauptet – ökonomisch wie politisch „im Trend“. Gut 50 % aller deutschen Betriebe praktizieren inzwischen eine Lohnfestlegung ohne tarifliche Vereinbarung mit einer Gewerkschaft und folgen damit einer Linie, die spätestens seit der „Agenda 2010“ ganz im Interesse der Politik liegt: Der Arbeitsmarkt hat zu Lasten der Lohnabhängigen „dereguliert“ zu werden. Als modernes Unternehmen ist Neupack dieser „Agenda“ in seinem Betrieb gefolgt.

Diesem konsequent geführten „Klassenkampf von oben“ hat die Gewerkschaft nichts entgegenzusetzen. Sie will es auch nicht. Sie kann nur jammern, wenn ihre sozialpartnerschaftlichen Dienste von den Unternehmern nicht mehr nachgefragt werden. So der IGBCEVorsitzende Vassiliadis: „Wenn Sie sich ansehen, was in den letzten 20 Jahren in diesem Land geschehen ist: Personalabbau, Anpassung, Veränderung ohne Revolten oder große soziale Unruhen – das alles wäre ohne die Bindekraft der Gewerkschaften nicht möglich gewesen.“

Und wenn doch? Jedenfalls ist das Unternehmen Neupack gegen diese gewerkschaftliche Einbildung, im Interesse der Unternehmen ein unverzichtbarer Garant des „sozialen Friedens“ zu sein, erfolgreich zu Felde gezogen. Es hat für seinen rücksichtslosen Umgang mit den Beschäftigten schon in der Vergangenheit keine „Bindekraft der Gewerkschaften“ gebraucht, das soll auch in Zukunft so bleiben. Mit einer „Revolte“ oder „sozialen Unruhen“ ist seitens der Gewerkschaften ist nicht zu rechnen. Davor sucht sie ja nach eigenen Angaben die Unternehmen zu schützen.

Es bedarf daher eigentlich keiner sonderlichen Erwähnung mehr, dass das Kapital mit dieser Gewerkschaft, wenn sie ihre Mitglieder mal ausnahmsweise zum Streik aufruft, ein leichtes Spiel hat. So ein Funktionär der IGBCE „Wir sind eher als sozialpartnerschaftliche Gewerkschaft bekannt, aber unsere ausgestreckte Hand wurde angespuckt.“ So schlimm war das dann doch nicht mit dem „Anspucken“, denn die Gewerkschaft hat in dem gesamten Arbeitskampf nicht davon abgelassen, dem Unternehmen die „ausgestreckte Hand“ zu reichen. Schon gleich am Anfang mit dem Angebot eines „schlanken Haustarifvertrags“, wonach die Lohnhöhe bei Neupack weit unter dem liegen sollte, was der Branchen-Tarifvertrag vorsieht. Und nicht zuletzt mit dem gewerkschaftlichen Einfall, den laufenden Arbeitskampf in einen „Flexi- Streik“ zu verwandeln, der mit dem wiederholt organisierten Streikbruch das Signal aussenden wollte, nur sehr ungern das Unternehmen mit einem Arbeitskampf unter Druck setzen zu wollen.

„Wir wollen, dass Sie Ihr Unternehmen erfolgreich weiterführen können.“ (Streikinfo der IGBCE) Diese gewerkschaftliche Botschaft hat Neupack verstanden und auf seine Weise im Arbeitskampf in die Tat umgesetzt. Das Unternehmen konnte sich zunutze zu machen, dass die Gewerkschaft weiß und respektiert, welche Interessen in den herrschenden Verhältnissen mit Vorzug zu behandeln sind.

Was heißt: Für die Beschäftigten bei Neupack bleibt die Lage so beschissen wie zuvor. Außer: Für ihren „Durchhaltewillen“ im Arbeitskampf dürfen sie sich auf der Hamburger DGB-Veranstaltung am 1. Mai beglückwünschen lassen. Traurig!

Dies ist der Text des Flugblatts, das Herr Keiner und andere auf der DGB Kundgebung am 1. Mai in Hamburg verteilt haben.

© HerrKeiner.com  5. Juni 2013