Wachstum

Herr K. vernahm häufig die Klage, dass das Wachstum der Wirt­schaft ‚unten nicht ankomme’, dass also die kleinen Leute von diesem Wachstum nichts verspürten.

„Da müssen irrige Auffassungen über den Charakter des wirt­schaftlichen Wachstums vorherrschen“, sagte Herr Keiner, „denn wie sonst käme man auf den Gedanken, dass von diesem Wachs­tum alle Menschen im Land profitieren müssten. Denn was da wächst, ist der Geldreichtum derjenigen, die ihr Geld investieren, um einen Überschuss zu erzielen, die aus ihren Geschäften mehr rausholen als sie hineingesteckt haben. Das, was da wächst, wächst nicht als gemeinschaftlicher Reichtum, sondern in der gesellschaftlichen Form privaten Eigentums. Und dieses Wachs­tum wird umso größer, je schlechter diejenigen, die dieses Wachstum produzieren, für ihre Arbeit bezahlt werden.

Deshalb ist es nach den Gesetzen dieser Wirtschaftsweise nur folgerichtig, wenn von dem Wachstum der Wirtschaft unten nichts ankommt“, sagte Herr K. Und er fügte hinzu: „Um ihren Anteil am produzierten Reichtum müssen sich die Unteren schon selber kümmern. Von diesem Wachstum gibt es nichts zu ver­schenken.“

Lesetipp:

Zweierlei Privateigentum

 

© HerrKeiner.com  2. Juli 2020