Über das Rauchen

Herr G. der gerne rauchte, kam zu Herrn K. und beschwerte sich über den Fanatismus der Anti-Raucher-Kampagnen. „Da wird doch allzu offensichtlich mit zweierlei Maß gemessen“, schimpfte Herr G. „Während es für die Schadstoffe, die in der industriellen Produktion zum Einsatz kommen, Grenzwerte gibt, welche die Schädigung der Gesundheit in bestimmten Grenzen erlauben, wird die gesundheitliche Gefährdung durch das Rauchen in vielen Bereichen kompromisslos untersagt.“

„Das stimmt“, sagte Herr K., der auch gerne rauchte. „Dieser Fa­natismus gegenüber den kleinen Schloten ist schon sehr beacht­lich. Diese überzeugten Anti-Raucher sind so sehr verbiestert, dass sie nicht einmal über den Spaß lachen können, dass ich mit meiner Sucht ein gutes Werk tue, nämlich die Arbeitsplätze in der Tabakindustrie zu sichern.

Aber vielleicht lässt sich dieser Extremismus gegenüber den Rauchern erklären“, fuhr Herr K. fort, weil er aus der Empörung des Herrn G. heraushörte, dass dieser sich ungerecht behandelt fühlte.

„Denn die gesetzliche Strenge auf der einen und die großzügige Grenzwertregelung auf der anderen Seite passen gut zusammen. Gerade weil es für die Kostenrechnung der Wirtschaft unzumut­bar ist, die Schädigung der Gesundheit zu unterlassen, ist die Lage bei den kleinen Schadstoffproduzenten eine andere: Hier wird der Mensch genötigt, die unnötigen Gesundheitsrisiken aus­zuschalten, was heißt: Der Mensch soll sich nur der gesellschaft­lich notwendigen Gesundheitsgefährdung aussetzen.“

„Wenn man das so betrachtet“, antwortete darauf Herr G., „dann ist das Rauchverbot ein einziger Dienst an den Unteren, damit diese den Anforderungen eines gesundheitsschädlichen Erwerbs­lebens besser gewachsen sind.“„Ja“, sagte Herr K., „so sehe ich das auch. In solchen Verhält­nissen kann die öffentliche Sorge um die Gesundheit ziemlich aufdringlich werden.“

Daraufhin rauchten beide eine gute Zigarre aus dem fernen Kuba.

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© HerrKeiner.com  2. Juli 2020