Schulversager

Herr K. fragte den jungen T., der arbeitslos war und schon seit langer Zeit seinen Sprachunterricht im Nachbarland besuchte: „Wie kam es eigentlich, dass du keinen qualifizierten Abschluss am Ende deiner Schulzeit hinbekommen hast?“

Der junge T. antwortete: „Ich habe mich von meinen Misser­folgen in der Schule einschüchtern lassen und den Lehrern geglaubt, die mich für unbegabt hielten. Irgendwann wurde ich ausgesondert und in eine Klasse mit ähnlich gelagerten Fällen gesteckt, in der nichts mehr Nennenswertes passierte. Niemand mühte sich uns zu fördern, wir wurden nur irgendwie beschäftigt, und ich war froh, als das Ende der schulpflichtigen Zeit erreicht war.“

„Das ist eine traurige Geschichte“, sagte Herr K. „Und das Traurige ist zudem: Diese Verhältnisse können mit einem solchen Schulversagen gut leben. Es gibt massenhaft Arbeitsplätze, an denen man nicht viel zu wissen braucht, man muss es nur schaffen, die Monotonie und das Tempo der Arbeit auszuhalten.“

„Ich weiß“, sagte darauf der junge T., „doch ich weiß nicht, wie ich meine Lage ändern kann. Ich habe in einer Sozialmaßnahme der Gewerkschaft das Tischler-Handwerk gelernt, doch diese Maßnahme wird von den Unternehmern nicht anerkannt. Wenn ich eine Arbeit finde, dann gelte ich als ungelernter Arbeiter und werde entsprechend schlecht bezahlt.“

Daraufhin sagte Herr Keiner: „Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, in dieser Lage einen guten Rat zu wissen.“

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Schul-Angst

© HerrKeiner.com  2. Juli 2020