Pubertät

In einer Diskussion über Erziehung fragte Herr K. den jungen T., den er als ruhigen und besonnenen Menschen kannte, ob ihm in Erinnerung sei, wie er sich in der Zeit seiner Pubertät verhalten habe. Herr K. vermutete nämlich, dass der junge T. in dieser Zeit nicht dem entsprach, was allgemein über diese Lebensphase ge­sagt wird.

„Das stimmt“, sagte der junge T., „ich war nicht aufsässig und widerspenstig, ich war genau so ruhig wie heute. Doch es war nicht die Folge eines Beschlusses, mich nicht pubertär verhalten zu wollen. Darüber hatte ich nicht nachgedacht. Heute weiß ich, dass die Phase der Pubertät die Reaktion der Erzogenen auf ihre Erziehung ist. Der Pubertierende lehnt sich gegen das andauernde Bevormundet-Werden auf, doch sehr formell und unvernünftig. Er kritisiert nicht die Vorschriften, sondern reagiert mit bloßer Eigenwilligkeit, mit trotziger Widerspenstigkeit.“

„Das sehe ich auch so“, sagte Herr K., und deshalb ist ein pubertäres Verhalten auch nicht an eine bestimmte Lebensphase gebunden, es kann auch später, aber auch früher auftreten.

Dann erzählte er dem jungen T. von dem Versuch zu Zeiten der Studentenbewegung, der herrschenden Erziehungspraxis eine „antiautoritäre Erziehung“ entgegenzusetzen. Herr K. sagte: „In dieser Erziehungsform lernten die Kleinen schon in Kinder­tagesstätten, wie man sich in Szene setzt und das kleine Ich groß herausbringt. Das heißt, sie nervten, wo immer man ihnen begegnete.

Doch auch diese Art Erziehung hat etwas mit der Vorbereitung auf den gesellschaftlichen Ernstfall zu tun. Mit der antiautoritären Erziehung wurde der Konkurrenzwille der Kleinen angestachelt und vereinseitigt. Deshalb mussten die so Erzogenen später dazu lernen, dass es an Respekt vor den gesellschaftlichen Regeln und Geboten nicht fehlen darf. „Von da an war die Welt der Erziehung wieder in Ordnung“, sagte Herr K.

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© HerrKeiner.com  2. Juli 2020