Kampf gegen das Böse

In einer TV-Diskussion über den Anschlag auf die USA meldete sich ein Fußballtrainer zu Wort und fragte: „Was muss da passiert sein, dass Menschen so etwas tun, dass sie so sehr von Hass erfüllt sind, dass sie dafür neben dem Leben der Angegriffenen zugleich das eigene Leben zerstören?“

Diese Frage nach einem möglichen Zusammenhang zwischen der Tat der Angreifer und den vorausgegangenen Taten des Ange­griffenen ist eigentlich eine sehr naheliegende Überlegung. Die kennt jedes Kind: Kommt ein Junge weinend nach Hause und sagt, dass der Nachbarjunge ihn geschlagen habe, bekommt er in der Regel die Frage gestellt: „Und was hast du getan, dass es dazu gekommen ist?“

In der Fernsehdiskussion durfte nach diesem Zusammenhang nicht gefragt werden. Der Fußballtrainer wurde sogleich ver­dächtigt, für die Attentäter Verständnis zu haben. Ihm wurde seine eigene Vergangenheit zur Last gelegt, als junger Mensch den Wehrdienst verweigert zu haben und auch sonst manch un­ziemliche Äußerung von sich gegeben zu haben. Kurzum: Der Trainer, der sich nachdenklich zu Wort gemeldet hatte, hatte im Verlauf der Debatte nichts mehr zu melden.

„Daran ist zu sehen“, sagte Herr K., „welch Geistes Kind der Kampf gegen das Böse ist“. Seinen Gegner als Ausgeburt des Teufels zu verfolgen, heißt, ihm jeden Grund für seine Taten zu bestreiten. Die Täter sind als grundlos böse anzusehen und entsprechend zu behandeln.

Doch man sollte sich hüten“, sagte Herr K. weiter, „dem Kampf gegen das Böse eine moralische Gegenrechnung aufzumachen und den Vorwurf des Bösen an die zurückzugeben, die mit ihrer überlegenen Macht ihre Gegner weltweit verfolgen. Das machen auch die Terroristen, sie betreiben die gleiche Verteufelung wie ihre Gegner, sie kämpfen auch gegen das Böse. Und wie ihre Gegner sprechen sie in dieser Auseinandersetzung nur die eine Sprache: die Sprache der Gewalt.“

Lesetipp:

Politik und moralische Werte

© HerrKeiner.com  2. Juli 2020