Grenzwertiges Ernähren

Herr K. wurde danach gefragt, was er denn dafür tue, sich ge­sundheitsbewusst zu ernähren. Er sagte: „Ich versuche stets, mich grenzwertig zu ernähren. Das heißt, ich versuche mir nur so viel Schadstoffe in der Nahrung zuzuführen, wie gesagt wird, dass es, auf den Durchschnitt der Bevölkerung bezogen, keine schwer­wiegenden Folgen für die Gesundheit hat.“

„Aber woher wollen Sie denn wissen, ob Sie zu diesem statis­tischen Durchschnitt der Bevölkerung gehören?“, wurde er gefragt.

„Das ist eine gute Frage“, antwortete Herr K. „Doch ich kann sie Ihnen nicht beantworten. Das liegt nicht in meiner Hand. Sicher weiß ich nur, dass ich mich ernähren muss.“

„Aber Sie haben doch die Möglichkeit, sich auf biologischer Basis zu ernähren. Es gibt doch solche Läden sicher auch in Ihrer Nähe“, wurde er erneut gefragt.

„Sicher gibt es die, und da kaufe ich auch hin und wieder ein, wenn mir die Produkte schmecken“, sagte Herr Keiner. „Doch aus den kleinen Bio-Läden ist inzwischen eine wachsende Geschäfts­branche geworden, die genau so rechnet wie alle anderen Geschäfte­macher auch. Und ebenso ist den gesetzlichen Regelungen für Bio-Produkte zu entnehmen, dass auch dieser Branche aus Rücksicht auf deren Rendite so einiges erlaubt ist, was der eingefleischte Bio-Kunde vielleicht gar nicht weiß.“

„Heißt das denn, dass man gar nichts für eine gesunde Ernährung tun kann?“, wurde gefragt. „Doch“, sagte Herr K., „ich erwähnte es bereits. Man kann sich grenzwertig ernähren. In Verhältnissen, in denen auch die Lebensmittel ein Geschäftsmittel sind, bleibt einem keine andere Wahl. Alles andere ist Wunschdenken.“

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Herr Keiner und die Umwelt

© HerrKeiner.com  2. Juli 2020