Des einen Freud, des anderen Leid

In den Nachrichten wurde gemeldet, dass von einem großen Lebensmitteldiscounter der Milchpreis deutlich gesenkt wurde und dass zu erwarten sei, dass die gesamte Lebensmittelbranche bald nachziehen werde. Dies wurde als eine erfreuliche Mitteilung für den Verbraucher bezeichnet, nicht ohne zu erwähnen, dass diejenigen, die die Milch produzierten, Klage darüber führten, von den noch zu erzielenden Verkaufserlösen nicht mehr leben zu können.

„Was soll ich jetzt machen?“, fragte Herr Keiner. „Soll ich als Verbraucher erfreut sein, wie es der Rundfunk vorschlägt? Soll ich es von diesem Standpunkt aus für gut befinden, dass es der Discounter dank seiner Marktmacht geschafft hat, die Milch­bauern des Landes erfolgreich zu erpressen?

Diese Frage ist vernünftig nicht zu entscheiden“, sagte Herr K. und wurde einmal mehr zornig über eine Wirtschaftsweise, die immerzu auf der einen Seite Freud, auf der anderen Seite Leid hervorruft. In der die vorhandene Geldmacht darüber entscheidet, wer zu den Gewinnern und wer zu den Verlierern zu rechnen ist.

In der die kleinen Verbraucher dann und wann davon profitieren, dass sich die großen Geschäftemacher wechselseitig Marktanteile abjagen und mit Niedrigpreisen die Größe ihres Umsatzes zu steigern suchen.

„Diese Wirtschaftsweise ist durch und durch unvernünftig“, sagte Herr K. „Sie nutzt nur wenigen und schadet vielen. Man muss für wirtschaftliche Verhältnisse eintreten, in denen man Milch oder Bier saufen kann, bei deren Produktion und Vertrieb niemand zu Schaden kommt. Wir brauchen eine Wirtschaftweise, in der alle Grund zur Freude haben.“

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© HerrKeiner.com  2. Juli 2020