Vom betrieblichen „Abwehrkampf“ zur Verbreitung von sozialistischen „Visionen“

Eine Kritik am Debattenbeitrag von Wolfgang Schaumberg: „Die Linke ohne die Leute?“ (Express 9-10/2017)

 Vorbemerkung:

Der Debattenbeitrag von Wolfgang Schaumberg, ehemals Betriebsrat bei Opel und Mitglied der „Gruppe oppositioneller Gewerkschafter“ (GoG) in Bochum, befasst sich mit einer Lage, in der sich für die politischen Aktivitäten der Linken – gleich welcher Gruppierung – ein äußerst negativer Befund ergibt: Die Linken sind „ohne Leute“, haben es also mit den von ihnen verbreiteten Argumenten nicht geschafft, die „Leute“ außerhalb ihrer Kreise gegen die herrschenden gesellschaftlichen Verhältnisse aufzubringen. Anders gesagt: Die linken Kritiker von Kapitalismus und politischer Herrschaft haben es mit ihren Argumenten nicht hinbekommen, das falsche Bewusstsein ihrer Adressaten zu „knacken“, ein Bewusstsein, das im Wesentlichen von dem Gedanken bestimmt wird, es mit den herrschenden Verhältnissen – vergleichsweise – gut getroffen zu haben. Dass man also weiter voll Vertrauen auf diese Verhältnisse setzen kann, auf die kapitalistische Wirtschaftsweise wie auf ein Regiert-Werden, das gut ist für „unser Land“, also auch für die vielen „kleinen Leute“, die dieses Land bewohnen.

Dieser für die Linken so negative Befund, bei den Adressaten ihrer Aufklärungsbemühungen „nicht angekommen“ zu sein, muss zwangsläufig zu der selbstkritischen Frage führen, was man womöglich selbst falsch gemacht hat bei dem Versuch, die „Leute“ von der Notwendigkeit einer Gegnerschaft zu diesen Verhältnissen zu überzeugen. Und die Beantwortung dieser Frage kann nur durch eine Überprüfung der vorgebrachten Argumente gefunden werden, denn ein anderes Mittel hat die Linke nicht, um andere Menschen von ihrer Sache zu überzeugen. Diese Überprüfung macht auch Wolfgang Schaumberg, nicht erst mit dem vorliegenden Debattenbeitrag im „Express“, sondern auch mit einer größeren Veröffentlichung „Zur Aufgabe von postkapitalistisch orientierten Linken“ aus dem Jahre 2006, auf die er in seinem Express-Artikel ausdrücklich verweist. Also werden im Folgenden auch diese Ausführungen berücksichtigt, um herauszufinden, ob Wolfgang Schaumbergs Argumente, wie man besser an die „Leute“ herantreten sollte, gut begründet sind.

Als Erstes eine schlechte Ausgrenzung: Keine Diskussion mit „linken Weltinterpretierern“!

Das ist nicht diskutierbar mit denjenigen – zumeist bildungsprivilegierten – Linken, die sich beim Weltinterpretieren im linksintellektuellen Selbstbefriedigungsmilieu wohlfühlen und die dann eines Tages mit dem guten Gefühl, Recht gehabt zu haben das Zeitliche segnen. (Express)

Das ist keine gute Kritik, die Wolfgang Schaumberg da gegen „zumeist bildungsprivilegierte“ Linke ins Feld führt, wobei schon das beigelegte Adjektiv „bildungsprivilegiert“ überhaupt nichts darüber aussagt, mit welchen Argumenten besagte Linke unterwegs waren und sind. Und: Waren die Linken, die sich nach der Studentenbewegung darum bemühten, antikapitalistisches Gedankengut in die Betriebe zu tragen, manche deswegen sogar – wie Wolfgang Schaumberg – selber zum Arbeiter wurden, nicht allesamt „Bildungsprivilegierte“, die zu dieser Zeit nichts davon hielten, ihr „Privileg“ für eine Karriere in der bürgerlichen Gesellschaft zu nutzen? Und weiter: Sollte besagtes „Privileg“, sich in der – staatlich verordneten – Konkurrenz in der Schule und der Universität durchgesetzt zu haben, ein Hindernis dafür sein, sich mit richtigen Argumenten, die man bekanntlich nicht an Schule und Universität lernt, an die lohnabhängige Bevölkerung zu wenden? Das ist Unsinn und kann als Vorwurf nur aufkommen, wenn Wolfgang Schaumberg selbst in den „traditionellen linken Großeinsätzen“ ( so am Ende der Schrift aus dem Jahre 2006) eine Mitschuld daran ausgemacht hat, dass der linke Marsch vor und in die Betriebe so erfolglos geblieben ist.

Sollen es also die Linken besser im „Kleinen“ versuchen, das große „Weltinterpretieren“ sausen lassen,  um stattdessen all diejenigen zu unterstützen, die in „Initiativen“ – welcher Art auch immer – auf die „Leute“ zugehen und sich mit ihnen „zusammentun“? Wolfgang Schaumberg jedenfalls sieht das so:

„Zu unterstützen sind deshalb all die Linken, die sich zum Beispiel in ihren Stadtvierteln, in den noch verbliebenen Betriebsgruppen, in Mieter- oder vielerlei anderen Initiativen mit den Leuten zusammentun, Gegenwehr organisieren oder ein anderes Zusammenleben oder –arbeiten einüben.“ (Express)

Wo es demnach auch gar nicht mehr so genau darauf ankommt, welche politischen Ziele besagte Initiativen haben. Oder sollte etwa das Organisieren von „Gegenwehr“ genau so „sinnvoll“ sein wie das „Einüben“ neuer Lebens- und Arbeitsformen? Etwa deshalb, weil man sich solidarisch „mit den Leuten“ zusammenschließt? Sollte das der neue Weg sein, wie aus reformfreudigen Mitmenschen aller Art „revolutionäre Linke“ gemacht werden? Sehen wir weiter:

Eine falsche Erkenntnis: Automobilarbeiter können nicht für die Revolution gewonnen werden. Die verdienen zu gut.

Wolfgang Schaumberg hält es in seinem Debattenbeitrag im „Express“ für einen ersten wichtigen Diskussionspunkt, den Lesern mitzuteilen, wie gut die Lohnabhängigen in der Automobilindustrie verdienen:

„Die große Mehrheit der Beschäftigten gehört zur privilegierten Schicht der Lohnabhängigen. Bei VW oder Daimler usw. Haben sie am Fließband derzeit locker über 22 Euro die Stunde – ein Lohn, von dem die meisten anderen nur träumen können!“

Ja und? Sind die Automobilarbeiter deshalb „privilegiert“, was so viel heißt wie:  genießen eine Vorzugsbehandlung in dieser kapitalistischen Welt der Ausbeutung? Nein, so funktioniert das System nicht. Kapitalisten zahlen schon mal etwas mehr dafür, wenn sie die „Gestaltung der Arbeitsplätze“ so hinkriegen, dass die eingekaufte Arbeitskraft immer produktiver, also lohnender für die Interessen der Arbeitsplatzbesitzer eingesetzt wird. Vielleicht verdient der Automobilwerker mit der ihm abverlangten Leistung seinen Lohn von 22 € schon in 10 Minuten, und der Rest geht auf das Konto unbezahlter Mehrarbeit? Wer weiß das schon so genau. Doch wenn man weiß, dass der gezahlte Lohn eben kein „Privileg“, sondern das probate Mittel dafür ist, möglichst viel Profit aus der angewandten Arbeit herauszuschlagen, dann ist auch klar: Die gezahlte Lohnhöhe ist auf Dauer nie sicher, die Lohnabhängigen müssen sich zur Wehr setzen, wenn der gezahlte Lohn vom Kapital in Frage gestellt wird. Sei es durch verlangte „Verzichtsmaßnahmen zur Rettung der Arbeitsplätze“  (wie das z.B. bei Opel der Fall war), sei es durch das Abverlangen von mehr Leistung, die mit dem gleichen Lohn vergütet werden soll. Dazu Wolfgang Schaumberg in Diskussionspunkt Nr.2 im „Express“:

„An solch ein Einkommen hat man sich gewöhnt, das will man auch behalten.“

Ist da ein leiser Vorwurf herauszuhören, dass die Arbeiter „nur“  daran denken, ihre „Privilegien“ zu retten und kein „weiterreichendes Interesse“ an einer „Überwindung des Systems“ haben? In der Veröffentlichung aus dem Jahre 2006 wird Wolfgang Schaumberg an dieser Stelle deutlicher. Er übt Selbstkritik:

„Meines Erachtens haben wir uns inhaltlich zu sehr auf ‚bessere Verteidigung gegen die GM-Angriffe‘ ausgerichtet, unseren Blick zu sehr auf die Auto-Industrie beschränkt, auf den Versuch, unsere relativ privilegierte Situation als Auto-Beschäftigte weltweit zu retten …“ (S.20)

Warum eigentlich sollen die Lohnabhängigen ihre materielle Lage nicht zu „retten“ suchen, wenn sie andauernd „Angriffen“ der Kapitalseite ausgesetzt sind, die zum Zweck haben, an den Lohnkosten zu sparen und damit die Lebenslage der vom Lohn Abhängigen zu verschlechtern? Sie müssen das sogar tun, wollen sie nicht Gefahr laufen, von ihrem Lohn nicht mehr leben zu können, wie das bereits in Millionen von Arbeitsverhältnissen in diesem Land der Fall ist. Und: Kann man nicht auch den besserverdienden Arbeitern versuchen klarzumachen, dass die Entscheidung über den Arbeitslohn in diesem Wirtschaftssystem eine Machtfrage ist (weshalb sonst braucht’s überhaupt Gewerkschaften), die ständig ausgefochten werden muss. Die neben der Arbeit als ärgerliche Zusatzanstrengung erforderlich ist, um in diesem Laden halbwegs über die Runden zu kommen. Spricht das nicht deutlich gegen eine Arbeit für den Profit, also auch gegen die Arbeit, welche die Beschäftigten in der Automobil-Industrie zu verrichten haben? Um aus den notwendigen Abwehrkämpfen einen Kampf gegen das kapitalistische System selbst zu machen, das diese Abwehrkämpfe immer wieder aufs Neue notwendig macht?

Wolfgang Schaumberg ist da anderer Meinung, und so fügt er der Selbstkritik, in der Betriebsarbeit bei Opel zu sehr das Verteidigen von „Privilegien“ ausgewiesen zu sein, noch eine weitere hinzu:

„Wir Linke haben zu wenig über die Vision einer nicht-kapitalistischen Gesellschaft geredet!“

Wie solch ein eigenartiger Themenwechsel – weg vom „Verteidigungskampf“, hin zu „Zukunftsvisionen“ – zustande kommt? Das kann man bei Wolfgang Schaumberg nachlesen und bezieht sich auf eine Diskussionssituation, wie sie sicher schon jeder erlebt hat, der Lohnabhängige von seiner Kritik am Kapitalismus zu überzeugen suchte und irgendwann im Verlaufe des Gesprächs auf die Notwendigkeit einer „auf Bedürfnisbefriedigung ausgerichteten Produktionsweise“ hingewiesen hat:

„‘Das ist unrealistisch‘, sagen unsere Kritiker, ‚zumindest noch in weiter Ferne‘! Zu Recht, und bleibt es auch, solange eine nichtkapitalistische Gesellschaft nicht vorstellbar wird. Solange wir nicht zumindest gedanklich Schritte dahin machen, die für viele Menschen nachvollziehbar sind und hoffnungsträchtig.“ (Schaumberg 2006, S.2)

Nein, diese Kritiker der Linken haben nicht Recht, wenn sie sagen, „das ist unrealistisch“, weil sie auf diese Weise ihren Vorbehalt ausdrücken gegen Argumente, die sich radikal gegen die Essentials der herrschenden Produktionsweise richten: Privateigentum, Geld und Gewalt und die damit organisierte „Ausbeutung von Menschen durch Menschen“. Diese Kritiker der Linken streiten aber nicht über den Inhalt der vorgetragenen Argumente, sondern suchen diese  an den herrschenden Machtverhältnissen zu blamieren. So nach dem Motto: „Wer seid Ihr denn schon, um Euren politischen Vorstellungen gesellschaftliche Realität zu verschaffen!“ Als Antwort darauf, das Bedürfnis zu verspüren, eine „antikapitalistische Gesellschaft“ in schönen Bildern auszumalen, ist also nicht nur  unpassend, sondern hat zudem nur wenig Aufklärungswert, solange der Adressat die Kritik am Kapitalismus nicht wirklich eingesehen hat.

Wie also kommt Wolfgang Schaumberg darauf, der langjährigen Arbeiter-Agitation bei Opel  zum Vorwurf zu machen, sich nicht „an die Frage herangewagt“ zu haben,

„wie eine andere Welt aussehen und erkämpft werden könnte“. (S.20)

Wolfgang Schaumberg ist offenbar der Ansicht, dass es anstelle eines wissenschaftlichen Sozialismus, der die Lohnabhängigen mit Argumenten zu überzeugen sucht, einen anderen Weg gibt, diese für die Sache des Sozialismus zu gewinnen. Nach dem Motto: Wenn die nicht einsehen, wie schlecht der Kapitalismus ist, dann kriegen wir sie vielleicht damit, dass wir ihnen sagen, um wie viel schöner der Sozialismus ist! Und für diesen alltäglichen Kampf für eine „andere Welt“ braucht es keinen „linken Großeinsatz“, da kann man an den „Erfahrungen“ der Arbeiter „anknüpfen“, um so für eine „andere Welt“ zu werben, die – bei genauem Hinsehen – im betrieblichen Alltag immerzu aufscheint. Sprich: Eine neue Aufarbeitung der „Produktionserfahrungen“ der Arbeiter ist vonnöten. Wie im Folgenden zu sehen ist:

Am Beispiel „Gruppenarbeit“: Gibt es dabei „Chancen“ zu nutzen?

Wolfgang Schaumberg sieht solche „Chancen“ und übt einmal mehr Selbstkritik, was frühere Aussagen zur „Gruppenarbeit“ in der kapitalistischen Arbeitsorganisation betrifft:

„Wir von der GoG bei Opel Bochum haben anfänglich auch nur vor den negativen Folgen, vor den Versuchen verschärfter Ausbeutung durch Gruppenarbeit gewarnt.“ Doch dann „haben wir nicht nur die negativen Auswirkungen, sondern auch die von uns für eine andere Zukunft zu nutzenden neuartigen Erfahrungen in  neuen Arbeitsformen ansatzweise in den Blick genommen“. (2006, S.39)

Man sieht: Wolfgang Schaumberg treibt gar nicht die Frage um, was denn daran falsch gewesen sein soll, vor der „Gruppenarbeit“ als einem betrieblichen Versuch „verschärfter Ausbeutung“ zu warnen? Er denkt ganz anders: Weil diese Kritik bei den Lohnabhängigen nicht auf genügend Zustimmung gestoßen ist, muss eine Neubewertung der „Gruppenarbeit“ vorgenommen werden, und zwar eine solche, die „Mut“ macht und neben den „negativen Folgen“ auch die positiven Seiten aufzeigt, die (angeblich) über den engen kapitalistischen Horizont hinausweisen. Wie das geht? Man betrachte diese neue Arbeitsform mal einfach getrennt von ihrem kapitalistischen Zweck, nämlich im unschuldigen Sinne des Wortes als kooperierende „Gruppenarbeit“, und schon ergibt sich daraus die Möglichkeit, darüber zu „kommunizieren“, wie man in einer „anderen Welt“ besser miteinander arbeiten und leben kann:

„Gruppenarbeit als neuartigen Bestandteil gesellschaftlicher Arbeit zu betrachten, die eh schon in Gruppen, Abteilungen, Fabriken, Produktionsverbünden, Herstellungsketten, Ausbildungs- und Versorgungsstrukturen etc. vernetzt ist, dabei die private Aneignung, die Ausrichtung auf Mehrwert bezweckende Warenproduktion als ärgerliches Hindernis sichtbar zu machen, das könnte ein hoffnungsträchtiger Ansatz für eine postkapitalistisch orientierte Linke sein, mehr Menschen für das Mitüberlegen, Mitdiskutieren von Schritten zur ‚anderen Welt‘ zu motivieren.“ (S.40)

Eine ziemlich weltfremde Vision, den real existieren Kapitalismus als „ärgerliches Hindernis“ dafür ins Visier zu nehmen, einer vernünftigen Organisation der gesellschaftliche Arbeit im Wege zu stehen, wie sie in der „Gruppenarbeit“ und ihrer vielfältigen „Vernetzung“ doch „eigentlich“ zum Ausdruck kommt? Ja, ja, so kann man die Hoffnung auf eine „solidarische Welt“ unter den Lohnabhängigen verbreiten , einer Welt, die nicht mehr davon bestimmt ist, „dass wir uns bei der Arbeit durch Konkurrenzkampf  gegenseitig fertigmachen“ (S.40). Bloß: Dieser Konkurrenzkampf ist den Arbeitern aufgenötigt, und zwar von denjenigen, die über ihre Arbeitsbedingungen als ihr Privateigentum verfügen. Von denen die Arbeiter also abhängig gemacht sind, um an das benötigte Geld als Mittel zum Leben heranzukommen. Diese harten Fakten als bloß „ärgerliches Hindernis“ auf dem Weg zu einer „besseren Welt“ vorstellig zu machen, das ist eine ziemlich fahrlässige Verharmlosung des herrschenden Systems von „Geschäft & Gewalt“, für das die Arbeiter oder Angestellten als Mittel einer privaten Reichtumsvermehrung eingespannt sind.

Fazit:

Im Kapitalismus lauter „Tendenzen“  ausfindig zu machen, die den Arbeiter „erfahren“ lassen, dass der Einsatz für den Sozialismus auf der Tagesordnung steht, ist verkehrt, weil es neben den herrschenden Sachzwängen lediglich das Ideal bebildert, dass auch andere gesellschaftliche Produktionsverhältnisse vorstellbar sind. Sicher, im Unterschied zu begründeten Argumenten gegen die herrschaftlich verfügte Lohn-Arbeit kann man mit diesem Bebildern einer menschenfreundlichen „anderen Welt“ wohl leicht auf Zustimmung bei so manchem Werktätigen stoßen. Im Sinne von: „Ja, schön wäre es schon“, doch dann kommt in der Regel immer ein dickes Aber, was davon Kunde gibt, wie sehr sich die Lohnabhängigen der herrschenden kapitalistischen Realität angepasst haben und darauf aus sind, in und mit diesen Verhältnissen über die Runden zu kommen.

Denn die überaus große Mehrheit der abhängig Beschäftigten denkt und handelt nicht als Mitglied einer Klasse, welche sich über den Gegensatz ihrer Interessen zu denen des Kapitals wie auch zu den Interessen des Staates, der diese  gesellschaftlichen Verhältnisse einrichtet, im Klaren ist. Die Lohnabhängigen denken und agieren als verantwortliche Mitglieder eines nationalen „Wir“, die eben deshalb eher in den „Fremden“ (z.B. den Flüchtlingen) ihre Gegner sehen als in einheimischen Unternehmern und Politikern.

Für eine antikapitalistische Betriebsagitation, (die ja leider kaum noch stattfindet), gibt es daher einiges zu tun. Da ist bei den Adressaten an nichts „anzuknüpfen“, sondern es muss mit guten Argumenten aufgezeigt werden, dass es von großem Nutzen für die lohnabhängigen „Leute“ selbst ist, wenn sie sich korrekte Gedanken über ihre Lage machen. Denn das und nur das setzt sie in die Lage, im eigenen Interesse wirksam gegen diese Verhältnisse vorzugehen.

Und: Kommt die Linke auf diesem Weg voran, ist eines – so ganz nebenbei – auch klar: Über eine Lage „ohne Leute“ braucht die Linke dann nicht mehr zu klagen. Die Frage ist dann „nur“ noch, ob es genug von besagten Leuten gibt,  die  es – Fall für Fall – mit den herrschenden Interessen aufnehmen können.

© HerrKeiner.com  17. Januar 2018