Der Nationalismus der AfD richtet sich gegen das Bündnis namens „Europa“

Warum die Altparteien die erfolgreiche Rechtspartei nicht in ihre Kreise aufnehmen wollen

„Die wahren Feinde Europas sitzen in Brüssel und in Berlin.“ (Alice Weidel, AfD)

Bekanntlich hat die AfD mit ihrem Vorzugsthema „Flüchtlingsfrage“ großen Erfolg bei den Wählern in Sachsen und Brandenburg gehabt. Was heißt: Sie hat von der weitverbreiteten Dummheit der Bürger profitiert, die ihre deutsche Staatsangehörigkeit für ein Privileg halten, das auf Leistung und Gegenleistung beruht, ein Privileg also, dass man sich als Deutscher verdient hat. Die ins Land strömenden Flüchtlinge haben nichts für dieses Land geleistet, bekommen aber trotzdem Geld vom Staat – das nehmen massenhaft Untertanen ihrer Obrigkeit übel. Und danken es der AfD, dass sie gegen diesen „Skandal“ zu Felde zieht.

Genau genommen wird dieses falsche Bewusstsein, das sich auf Augenhöhe mit seiner Herrschaft sieht und in der „Gemeinschaft der Deutschen“ gut aufgehoben wissen, also von den Klassengegensätzen im Land nichts wissen will, von allen Parteien bedient und ausgenutzt. Da wird –  nicht nur von der AfD – in Sachen „Flüchtlingsproblem“ die „Gefahr einer Überfremdung“ (Seehofer) ausgemacht, da wird der zynische Spruch vom „Asyltourismus“ (Söder) in die Debatte geworfen, also genau das angeheizt, was die AfD so erfolgreich in Stimmen für sich ummünzen konnte.  Und: Es liegt an den politisch eingerichteten Unterschieden von denen, die „dazu gehören“ und den anderen, den „Fremden“ also, dass Politiker sich immer zu rechtfertigen haben, wenn sie hilfsbedürftige Fremde ins Land lassen. So auch im Fall Angela Merkel bei ihrer Entscheidung im September 2015, über das geplante Maß hinaus Flüchtlinge in Deutschland aufzunehmen, die dem Staat nur auf der Tasche liegen. Das galt als „Antwort auf eine humanitäre Notlage“, als „Ausnahmefall“ also, dessen Bewältigung der deutsche Kanzlerin ersichtlich aufgenötigt wurde, um den „Zusammenhalt der europäischen Union“ zu sichern.

Und genau wegen dieses Ereignisses und seiner Rechtfertigung ist die AfD so richtig ins politische Geschäft gekommen. Sie hat an der „Flüchtlingskrise“  höchstdramatisch die Schuldfrage gestellt und in der Abhängigkeit der Nation vonEuropa“, also von fremden Nationen, die patriotische Antwort gefunden: Eine Nation, die nicht in der Lage ist, aus eigener Machtvollkommenheit ihre Landesgrenzen zu sichern, hat das Vertrauen des Volkes verspielt! Und: Ein Staatenbündnis, in dem unser Staat nicht mehr Herr im eigenen Haus ist, kann nicht im deutschen Interesse sein!

Wohlgemerkt: Die AfD hat mit einem eurokritischen Nationalismus bei den Wahlen im Osten Erfolg und damit ähnlich gegen die EU und deren „Arroganz und Zentralismus“ gewettert, wie das die Befürworter des Brexits in England  getan haben. Die auch und entscheidend mit dem Schreckensszenario einer „unkontrollierten Einwanderung“ beim Wähler in England gepunktet haben. Dort allerdings geht das Pro und Contra in Sachen EU quer durch alle Parteien, hierzulande sind alle Parteien entschieden europa-treu, bis eben auf die AfD, die mit ihrem europakritischen Wahlkampf beim deutschen Wahlvolk ersichtlich gut ankommt. Das stört die angestammte politische Elite gewaltig, und deshalb tut sie alles, den deutschen Bürgern die neuen Emporkömmlinge von Rechts als „Schmuddelkinder“ auszumalen, mit denen man als anständiger Deutscher auf keinen Fall spielen darf.

Die Ausgrenzung der AfD bedeutet: Nicht politisch argumentieren, sondern moralisch denunzieren!

Alles was rechtsextrem ist, was den Nationalsozialismus verharmlost oder gar mit ihm flirtet, steht außerhalb des akzeptablen Spektrums.“ (Spiegel v.7.9.19)

Mal im Ernst: Glaubt denn der Spiegel wirklich, mit der AfD sei eine Partei unterwegs, die das politische Programm der Nationalsozialisten wieder aufleben lassen will? Die mit Krieg Europa unterwerfen will, um der Weltmacht USA wirksam Paroli zu bieten? Was in Hitlers Worten hieß, Deutschland müsse Weltmacht werden, um so „einer drohenden Welthegemonie des nordamerikanischen Kontinents vorzubeugen“ (Hitlers Zweites Buch, S.127 f).

Doch so denken nicht einmal durchgeknallte Hakenkreuzträger und „Heil Hitler!“  Rufer, die es sich nun mal nicht nehmen lassen wollen, sich der Zeiten zu erinnern, in der ihr geliebtes Vaterland mal ein paar Jahre brutal erfolgreich unterwegs war. Das weiß natürlich auch der Spiegel, aber es geht eben nicht um eine Analyse des Programms der neuen Rechten, es geht um den Vollzug einer politischen Beschlusslage zur Ausgrenzung: Dieser Partei darf nicht geglaubt werden, dass auch sie eine Alternative für unser schönes Deutschland  im Programm hat, sich also auch das „Wohl der Nation“ auf ihre Fahne geschrieben hat.

„Zur Strategie der verstärkten Konfrontation gehört neben der Aufklärung die Investigation. Es muss alles ans Licht, was sich in den Biographien der AfD-Funktionäre noch verstecken mag. Und Investigation ist nicht nur eine Aufgabe für die Medien. Der Verfassungsschutz hat da bislang zu nachlässig gearbeitet.“ (Spiegel v.7.9.19)

Die Medien als verlängerter Arm des Staatsschutzes, um die AfD als „verfassungsfeindlich“ zu denunzieren und entsprechend behandeln zu lassen? Das ist gerade so, als wolle der Spiegel der Medienschelte der AfD recht geben, die da sagt, dass die deutsche Presse eine einzige „Propagandamaschine für die herrschenden Parteien“ sei. Und sich für diesen Auftrag zur Hetze auch noch den Segen des Bundespräsident  verschafft. In gesetzten Worten, versteht sich:

„Der Staat dient dem Menschen. Er garantiert die Menschen- und Bürgerrechte, Rechtsstaatlichkeit, Minderheitenschutz und Freiheit von Diskriminierung. Wer sich in dieser Tradition sieht, der kann nicht gleichzeitig einem ausgrenzenden, autoritären oder gar völkischen Denken huldigen. Das ist das Gegenteil von bürgerlich: es ist antibürgerlich.“ (Steinmeier im Spiegel-Interview  v. 14.9.19)

Apropos „völkisches Denken“: An der Front des Berliner Reichstages steht geschrieben „Dem deutschen Volke“, was den Arbeitsauftrag kennzeichnet, den die Abgeordneten in diesem Haus zu erledigen haben. Nicht für die „Weltgemeinschaft“, das Volk der Franzosen oder der Briten – für das Wohl der deutschen Nation wird hier gestritten und für das Volk die passenden Vorschriften erlassen. Das ist das eine, und „autoritär“ ist das sowieso. Was das „ausgrenzende Denken“ betrifft, so ist das nicht nur bei der AfD, sondern gerade so gut bei den herrschenden „bürgerlichen Parteien“ im politischen Programm. Da steht doch nicht wirklich „Willkommenskultur“ gegen „Fremdenfeindlichkeit“ auf der Tagesordnung, sondern findet im Falle der störendenden Flüchtlinge deren Auslagerung in „Aufnahmelager“ außerhalb Europas statt, wo die „Diskriminierung“  der Flüchtlinge in allen Formen den Alltag des Lagerlebens bestimmt.  Und die Hetze der Demokraten gegen „politisch Andersdenkende“, die kommt nicht nur aktuell bei den Rechten von der AfD, sondern kam früher auch schon bei den Parteigründungen von Grünen und Linken zum Einsatz. Die wurden auch beschimpft, dass es nur so krachte. Als „Ökofaschisten“ die Grünen, als „Stalinisten“ die Linken und Ähnliches mehr. Nach dem Motto: Bloß nicht hochkommen lassen!

Und auch das noch zur Klarstellung: Die AfD ist eine „bürgerliche Partei“, die wie die herrschenden Altparteien auch keinen Bock darauf hat, zu „Hochwohlgeboren“ und Ständestaat zurückzukehren. Auch sie ist entschieden für die „Freiheit des Eigentums“, wo allein das Geld darüber entscheiden soll, was aus den guten Deutschen wird. Dass mehrheitlich zum Vorteil von privaten Eigentümern für wenig Geld viel gearbeitet werden muss, das gefällt auch den Volksfreunden von der AfD. Denn: Im Erfolgsfall macht das auch den deutschen Staat groß und stark!

Die Ächtung der AfD soll auch für andere ein Warnschuss sein: Die Ruf nach „Rückbesinnung auf das Nationale“ geistert durch alle Parteien

„Ob bei den Finanzmärkten, den sozialen Sicherungssystemen, innerer Sicherheit oder Migration: Alles braucht einen starken, leistungsfähigen und durchsetzungsbereiten Staat.“ (Sigmar Gabriel, Tagesspiegel v. 25.6.2019)

Wäre dieses offene Bekenntnis zu einem starken Staat von einem AfD-ler zu lesen gewesen, hätte die Konkurrenz aus dem Lager der etablierten Parteien wieder laut aufgeschrien: Da sieht man mal wieder, wie es um das „Demokratieverständnis“ der Rechten bestellt ist. Keine Rede von einem Gemeinwesen, das in der „Abstimmung mit den Bürgern“ und seinen „europäischen Partnern“ seinen Erfolg sucht.  Stattdessen nur „Staat! Staat!“, dem die Durchsetzung seiner Interessen über alles geht.

Interessanterweise auch in den Fragen „Innere Sicherheit“ und  „Migration“, Themen, mit denen bekanntlich die AfD ihren rasanten Aufstieg in der Wählergunst hingekriegt hat. Mit eben dem Argument, dass die Regierung Merkel zu „schwach“ sei, „die eigenen Grenzen“ vor den Flüchtlingen zu schützen, um so die „innere Sicherheit“ des Landes aufs Höchste zu gefährden. Das sieht der ehemalige Vize-Kanzler der SPD also ziemlich ähnlich.

Auch CDU/CSU lassen sich in der Flüchtlingsfrage nicht lumpen. Da haben sie vereint mit der SPD ziemlich erfolgreich alles dafür getan, dass diese Elendsfiguren von deutschem Boden erfolgreich ferngehalten werden, da sind schon wieder neue rechte Töne aus dem „bürgerlichen Lager“ zu vernehmen:

„Der härteste Kritiker von Merkels Willkommenskultur segelt selber gerade hart am Wind. Seehofers großzügige Zusage, ein Viertel der geretteten Bootsflüchtlinge abzunehmen, kommt in der Union äußerst schlecht an. Der Innenminister wirbelt mit seinem Vorstoß ein politisches Trauma auf.“ (ntv Politik v. 18.9.19)

Dass es bei dieser „großzügigen Zusage“ lediglich um ein paar hundert Menschen im Jahr geht, beruhigt die Kritiker aus den eigenen Reihen überhaupt nicht. Im Gegenteil. Mit dem aufschlussreichen Argument  „Das stärkt nur wieder die, die am rechten Rand stehen“ meldet sich der CDU-Spitzenkandidat von Thüringen zu Wort (da sind im Oktober die nächsten Landtagswahlen), um selbst den Platz am „rechten Rand“ einzunehmen und die Aufnahme von Bootsflüchtlingen strikt abzulehnen.

Aufschlussreich ist das vor allem deswegen, weil die Kritiker Seehofers die berechnenden Kalkulationen der Regierung genau kennen, nämlich der neuen Regierung in Italien dabei zu helfen, den „Hardliner“ Salvini auf Abstand zu halten. Der ist inzwischen mit seiner nationalistischen „Lega“ in der Opposition und soll keine Gelegenheit bekommen, mit der „Flüchtlingsfrage“ beim italienischen Wahlvolk auch weiterhin erfolgreich Stimmung zu machen. Was heißt: Den Kritikern dieser Zusage an die italienische Regierung ist an dieser Stelle der Zusammenhalt des gemeinsamen Projekts „Europa“ scheißegal: Jede Rücksicht auf den „Partner“ Italien, der es in seinem Land mit einer immer stärker werdenden europafeindlichen Partei zu tun bekommt, ist im nationalen Interesse Deutschlands fehl am Platz!

Folglich richtet sich die parteiübergreifende Beschlusslage, die AfD zu ächten und von jeder Teilnahme an einer „Regierungsverantwortung“ auszuschließen auch gegen die Kritiker in den eigenen Reihen, die der europakritischen Position der erfolgreichen Rechtspartei einiges abgewinnen können. Und – wie in Sachsen-Anhalt – schon mal eine „Denkschrift“ zirkulieren lassen, die für eine Regierungskoalition mit der „Alternative für Deutschland“ wirbt:

„Die Wähler von AfD und CDU haben ähnliche Ziele. Die CDU hat Anhänger verprellt, indem sie multikulturellen Strömungen linker Parteien und Gruppen nicht ausreichend entgegengetreten ist. Wir empfehlen der CDU die Rückbesinnung auf die Nation.“ (ntv politik v. 20.6.19)

Die Skepsis gegenüber dem „europäischen Gedanken“ ist nicht zu übersehen. Dagegen steht eisern der Standpunkt der deutschen Kanzlerin: Der deutsche Erfolgsweg als Führungsmacht in einem europäischen Bündnis hat alternativlos zu sein. Und: Über Europa wird nicht diskutiert, Europa wird gemacht! Was heißt: Die Führung der europäischen Wirtschaftsmacht Deutschland will sich auch in Zukunft darauf verlassen, dass der erreichte Stand der Vergemeinschaftung in Europa wie ein Sachzwang seine Wirkung tut und die geschaffene Abhängigkeit vom Bündnis es den Mitgliedern unmöglich macht, sich von einem Ausstieg aus Europas Geldunion auch nur irgendetwas zu versprechen. Was als Drohung nicht zu überhören ist: Ein Ausstieg kommt Euch teuer zu stehen!

Die Krise des Euro und Donald Trump machen die Kritik an Europa nicht nur in den Verliererstaaten populär – nun auch im „reichen Deutschland“

Die EU ist ein Irrsinn! Wir zahlen für alles und für alle.“ (Alice Weidel, AfD Kompakt TV)

„In Deutschland gibt es nur eine einzige politische Kraft, die gegen diesen Irrsinn ihre Stimme erhebt. Das sind wir, die Alternative für Deutschland. Wir kämpfen für ein Europa der Vaterländer, in dem nationale, regionale und kulturelle Eigenheiten geachtet und verteidigt werden.“ (Jörg Meuthen, ebenda)

Damit hatte wohl niemand in den Alt-Parteien bei der Gründung der AfD  gerechnet: dass es die rechten Europakritiker in nur sechs Jahren schaffen könnten, die ganze deutsche Parteienlandschaft aufzumischen und die Rechten bei der Europawahl dieses Jahres in Sachsen und Brandenburg sogar zur „stärksten Kraft“ aufsteigen könnten. Das „ausgerechnet bei uns“, der erfolgreichsten Wirtschaftsmacht auf dem Kontinent!

Sicher, die Kritik an Europa speist sich wesentlich – wie schon erwähnt – aus der „Flüchtlingskrise“, doch inzwischen geht es auch um Bewältigung einer handfesten Wirtschaftskrise, von der die „kleinen Leute“ im Land im Unterschied zu der Affäre mit den Flüchtlingen wirklich betroffen gemacht sind. Als Sparer  wie als Besitzer von Lebensversicherungen (Altersvorsorge inklusive) – durch die nun schon Jahre andauernde Niedrigzinspolitik der EZB werden ihre Geldanlagen massiv entwertet.

Diese Geldpolitik wird in Europa gemacht, um die Wirtschaft anzukurbeln, was immerzu nicht gelingen will. Durch den massenhaften Ankauf  von Staatsanleihen der Euro-Länder  sollen vor allem die Verlierer-Staaten des Euroraums vor der Pleite gerettet und das weitere Schuldenmachen möglich gemacht werden. Und: In dieser Lage zieht auf einmal das Argument der AfD bei den Wählern, dass es im deutschen Interesse „grundverkehrt“ war, die starke D-Mark aufzugeben und den wirtschaftlich unterlegenen Staaten in Europa das Angebot  auf Teilhabe an einem neuen Gemeinschaftsgeld zu machen:

„Der Euro ist nach Auffassung der AfD für ein Wirtschaftsgebiet mit derzeit 19 unterschiedlich leistungsfähigen Volkswirtschaften eine Fehlkonstruktion.“ (Europawahlprogramm der AfD 2019)

Ihre Kritik an dieser „Fehlkonstruktion“ sieht die AfD auch dadurch bestätigt, dass mit der aktuellen Geldpolitik der EZB die Behauptung der deutschen Regierung widerlegt ist, dass es mit ihr keine „Transferunion“ geben werde, Deutschland also nicht haften werde für die Verluste der Verlierer der Konkurrenz in Europa. Doch, das tut sie. Sie ist nämlich von einer möglichen Pleite ihrer „Partner“ mit betroffen gemacht, eben weil in Europa mit dem gleichen Geld gewirtschaftet wird.  Den Euro-Kredit für den Zusammenhalt des europäischen Ladens aufblähen, ohne dass dies durch ein erfolgreiches Geschäftemachen auch nur irgendwie gerechtfertigt wird – dafür muss auch und gerade Deutschland in Zukunft gerade stehen.

Und es ist schon eine gewisse Ironie der Geschichte, dass die AfD, die von Donald Trumps Wahlkampf und seiner radikalen Kritik an den „Eliten, die sich vom Volk entfernt haben“ vieles abgeschaut hat, ausgerechnet dessen Begründung für seine Kampfansage an das europäische Konkurrenzprojekt völlig anders sieht. Denn Trumps Aussage, dass die europäische Union „ohnehin nur das Mittel Deutschlands“ sei, bestreitet die AfD vehement: Deutschland nimmt Schaden an Europa, deshalb ist eine radikale Kurswende nötig. Eine Einsicht, zu der sicher auch das „America first!“ des Präsidenten und dessen Interesse, das europäische Bündnis auffliegen zu lassen, einen wichtigen Beitrag leistet.

Die Rechten haben aus ihrer kurzen Geschichte als „Euro-Gegner“ und „Neinsager“ gelernt: Die AfD bläst zum geordneten Rückzug!

„Wir sind nicht für ein Vaterland Europa, sondern für ein Europa der Vaterländer.“ (AfD)

Wie zu sehen ist: Die AfD radikalisiert nicht nur die Zweifel, die es vermehrt auch in den anderen deutschen Parteien an dem Projekt „Europa“ gibt, sondern macht aus diesen Zweifeln ein politisches Programm. Und das läuft auf eine entschiedene Absage an dem betriebenen Fortschritt Europas hinaus, „immer mehr Politikbereiche zu vergemeinschaften“ und so die nationale Souveränität Deutschlands nachhaltig zu untergraben. Das gilt vor allem auch für das ins Visier genommene Endziel aller Vergemeinschaftung, die Gründung der „Vereinigten Staaten von Europa“, womit neben dem Geld auch das Allerheiligste jeder staatlichen Souveränität, die Verfügung über die Mittel militärischer Gewalt aus der Hand gegeben und in eine „europäische Armee“ überführt werden soll. Das ist mit der AfD entschieden nicht zu machen und im Übrigen auch nicht mit der Weltmacht USA, die in dem gemeinsamen Militärbündnis namens NATO das Sagen hat und ein europäisches Aufrüsten gegen die Vormacht USA auf keinen Fall dulden wird. Auch daraus hat die AfD gelernt:

„Die AfD lehnt die Schaffung einer europäischen Armee entschieden ab … Sie fordert die Stärkung des europäischen Pfeilers der NATO, um hier Deutschlands Rolle und Einfluss zu erhöhen. Der deutsche Wehretat soll zügig an das 2-Prozent-Ziel der NATO angepasst werden.“ (Europawahlprogramm)

„Größenwahnsinnig“ ist diese erfolgreiche Rechtspartei jedenfalls nicht, und auch ansonsten hat sie durchaus konstruktive Vorschläge für ein, wenn auch bescheideneres Weitermachen mit dem Projekt Europa. Die AfD bestreitet vehement „anti-europäisch“ zu sein und lässt ausrichten: „Wir lieben Europa, wir sind stolz auf Europa“ (Alice Weidel). Das aus einer ersichtlich nationalen Berechnung: Auf die „Öffnung“ der Nachbarstaaten, um auf einem „gemeinsamen Markt“ an denen als deutsche Wirtschaftsmacht weiter erfolgreich zu verdienen, auf die will auch die AfD in Zukunft nicht verzichten. Und auch dem Euro will sie nicht einfach eine Absage erteilen und den sofortigen Austritt aus der Währungsunion verlangen:

„Die AfD ist keine Dexit-Partei, wie das von den politischen Gegnern in letzter Zeit verkündet wird. Nur für den Fall, dass sich die EU als unreformierbar erweisen sollte, muss ein Ausstieg Deutschlands aus der EU als letzte aller Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, um noch größeren Schaden als den bereits angerichteten vermeiden zu können.“ (Meuthen, afdkompakt.de)

Was im Klartext heißt. Die AfD setzt auf die zunehmenden Verwerfungen des Projekts Europa, damit auch in Deutschland die Stimmung gegen die Europapolitik der Altparteien noch weiter in Schwung kommt. Mit Unterstützung der AfD-Propaganda, versteht sich. In einigen anderen Staaten  sind Europakritiker  schon an der Macht, und der italienische  Gesinnungsfreund Salvini ist ja auch auf gutem Wege. Schließlich will der Abbruch des „europäischen Abenteuers“ auch deshalb gut gemacht sein, damit die Verwerfungen danach nicht größer sind als bei dem „Weiter so“ der etablierten Parteien. So viel steht jedenfalls steht fest: Die alternativen Europapolitiker  von der AfD reifen mit der Krise Europas.

  

Ein Nachtrag zu: „Wehret den Anfängen!“

Vielleicht bekommt ja der am Ende gescheiterte Europapolitiker Hitler posthum noch recht, wenn er seinerzeit vor der Illusion warnte, Europa mit den Mitteln einer „wirtschaftsfriedlichen Eroberung“ zu einem Machtblock von Weltgeltung  vereinen zu können. Europa, das war für Hitler ein Projekt, mit dem die Souveränität der konkurrierenden Nationen gewaltsam gebrochen werden musste; alles andere hielt er für eine „geschichtlich unmögliche Kinderei“, die nur zu einem Bündnis führen könne, „dessen gesamte Kraft und Energie durch die inneren Streitigkeiten und Rivalitäten absorbiert würde“. (Hitlers Zweites Buch, S.129f)

Aber eben dieser Weg war nach dem Krieg der einzige, den die überlegene Siegermacht USA den vom Faschismus befreiten Staaten in Europa erlaubte und so im eigenen Interesse dafür sorgte, dass die europäischen Staaten befriedet wurden und nicht gleich wieder aufeinander losgingen. Denn die Europäer wurden von den USA für den angesagten „Kampf gegen den Kommunismus“ gebraucht. Der ist inzwischen bekanntlich gewonnen, und Deutschland hat es mit dem Projekt Europa in der wirtschaftlichen Konkurrenz der Nationen ganz nach oben geschafft. Deshalb ist es auch die Weltmacht USA, die nun wieder mit Nachdruck sagt: „Wehret den Anfängen“. Europa soll erst gar nicht in die Lage kommen, das beanspruchte „America first“ wirksam in Bedrängnis zu bringen. Also endlich weg mit dem europäischen Bündnis, das „nur zum Schaden der USA“ (Trump) erfunden wurde!

So bekommt es Europa nicht nur mit einer heftigen wirtschaftlichen Krise, wachsendem europafeindlichen Nationalismus, sondern auch mit dem Nationalismus einer Weltmacht zu tun, die schon einmal die mittels Europa verfolgten Großmachtansprüche wirksam zerschlagen hat.

Keine schönen Aussichten für den europäischen Imperialismus.

 

 

Lese-Tipp

Volksgemeinschaft und Fremdenfeindlichkeit

14.03.2019: Diskussion über Nationalismus und Patriotismus

 

Veranstaltungshinweis

Der Diskussionstermin zum Nationalismus der AfD findet am Mittwoch, den 23.10.19, um 19:30 im Cafe Cralle in Berlin-Wedding statt.

© HerrKeiner.com  1. Oktober 2019